Schlotterbeck sah ein, daß er jetzt preisgegeben sei, und suchte nicht länger hinterm Berg zu halten.
»Dann bist du mein Vetter«, sagte er einfach. »Hast du schon gefrühstückt?«
»Also doch!« rief Pfrommer triumphierend. »Ich hätte dich kaum mehr gekannt.«
Er streckte mit plötzlicher Freudigkeit dem Vetter die Hand entgegen und konnte erst nach manchen Gebärden und Armbewegungen der Ergriffenheit am Tische Platz nehmen.
»Ja du lieber Gott,« rief er bewegt, »wer hätt' es gedacht, daß wir dich einmal wiedersehen würden. Aus Rußland! Ist es eine Geschäftsreise?«
»Ja, nimmst du eine Zigarre? Was hat dich eigentlich hergeführt?«
Ach, den Buchbinder hatte vieles hergeführt, wovon er jedoch vorerst schwieg. Er habe ein Gerücht gehört, der Vetter sei wieder im Land, und da habe er keine Ruhe mehr gehabt. Gott sei Dank, nun habe er ihn gesehen und begrüßt; es hätte ihm sein Leben lang leid getan, wenn ihm jemand zuvorgekommen wäre. Der Vetter sei doch wohl? Und was denn die liebe Familie mache?
»Danke. Meine Frau ist vor vier Jahren gestorben.«
Entsetzt fuhr Pfrommer zurück. »Nein, ist's möglich?« rief er mit tiefem Schmerz. »Und wir haben gar nichts gewußt und haben nicht einmal kondolieren können! Meine herzliche Teilnahme, Vetter!«
»Laß nur, es ist ja schon lang her. Und wie geht's bei dir? Du bist Kaufmann geworden?«