»Aurelie Grimpe,« stellte sich die Frau mit einem Knixe vor, der Volkmann an den erinnerte, den seine Wirtin, die dicke Hofbäckermeisterfrau, zu machen pflegte, wenn die Herzoginmutter ihr vom Wagen aus zunickte. Einen Augenblick war Frau Grimpe verdutzt, dann aber zog sie die Schleuse wieder auf.
»Meinen ergebensten Glückwunsch, geehrter Herr! Das ist man gut, daß hier wieder ein Mann hinkommt. So weit es ging, habe ich ja alles in Stande gehalten, aber eine schwache Frau kann nicht das, was ein Mann kann, und so'n Pächter, na, man weiß ja!«
Der Vorsteher machte lustige Augen und sah ihre Schultern und ihre Arme an, sie aber polterte weiter durch dick und dünn: »Ihrem seligen Herrn Onkel habe ich zwei Jahre die Wirtschaft geführt; eine Seele von Mann war das. Natürlich hatte er seine Grappen; sehen Sie mal da!« sie zeigte nach der Miststatt, »da wachsen an die zweihundert Königskerzen, daß man fast nicht mehr heran kann. Glauben Sie, daß die wegdurften? Ordentlich verniensch ist er geworden, als ich darauf zuschlug und er sagte: ›Das ist das Schönste am ganzen Hofe.‹ Na ja, es sieht ja ganz ramantisch aus, wenn sie ihre Blüten entfalten, aber die Propertät leidet darunter.
Das Schlimmste war, er machte sich aus dem Essen gar nichts. Wenn ich ihn fragte: ›Herr Volkmann‹, fragte ich, ›was soll ich kochen?‹ Dann sagte er: ›Das ist meine Sache nicht.‹ So war er. Ach, du meine Güte, sind doch wahrhaftig wieder die Hühner im Garten! Hscht! Wollt ihr wohl! Ja, und wenn ein Swein geslachtet werden sollte, dann machte er, daß er wege kam, so'n Herz hatte der Mann! Und keinmal habe ich ein Huhn vor ihm braten dürfen und eine Taube schon gar nicht.
In anderer Weise konnte er dagegen wie ein Stein sein; keinem armen Reisenden gab er auch man zwei Pfennige. ›Bleibt auf dem Lande und arbeitet bei den Bauern!‹ sagte er einen jeden, wo hier fechten kam. Und wenn auf die Franzosen die Rede kam, denn, wenn der Herr Paster und der Herr Dokter kam, dann wurde sehr politisch geredet, dann sagte er: ›Kaput getrammpt muß die Bande werden!‹ Ja, so war er.
Aber nun sehen Sie sich bitte das Haus an; es ist meist allens wie es war. Die Sammlungen sind an das Museum in Bremen gekommen, Käfer und Bienen und Steine und andere Wissenschaftlichkeiten, denn darin war er groß. Denken Sie bloßig, der pflanzte allerhand wilde Blumens an, bloßig damit die wilden Bienen danach kamen. Den ganzen Tag konnte er bei seinen Büchern und Kästen sitzen, und wenn ich ihm sagte, daß das Essen da ist, dann wurde er falsch. Hscht! Ist mir das Viehzeug von Spatzen bei die jungen Erbsen. Ja, man hat seine liebe Not!«
So ging es in einem Strange fort. Volkmann hörte nur mit einem halben Ohre hin; er sah sich das alte Haus an, den Garten mit den gut gepflegten Obstbäumen und Beerensträuchern, die große Alpenanlage, die zwischen dem Hause und dem Grasgarten lag, in der zwischen und auf den Tuffsteinen viele hundert Blumen und Kräuter wuchsen und sich in den kleinen und großen Wasserkübeln spiegelten, die in den Boden eingelassen waren und in denen allerlei Wasserpflanzen gediehen, die Hainbuchenlaube mit dem Steintische und der grünen Bank, von der man einen Blick über die Haide bis zu dem blauen Walde hatte, die sechs Fischteiche, die hinter dem Grasgarten lagen, die Stallungen und den Rest von dem Vieh, das noch geblieben war; er hörte auf die verständigen Worte, die Garberding an ihn richtete, und dachte, daß es vielleicht doch ein Glück wäre, daß der Hof nun sein Eigentum sei.
Vor ihm, neben ihm und hinter ihm, je nachdem, was sie zu zeigen hatte, witschte Aurelie Grimpe hin und redete Korn und Kaff durcheinander.
Er aber hörte nicht mehr darauf, als auf das, was die schwarze Krähe quarrte, die über den Hof wegflog.