Die Schwalbe.

Es kamen nun zwei graue Regentage, legten sich auf das Land und drückten des Hilgenhoferben Stimmung zu Boden.

Mit ernstem Gesichte half er Nordhoff bei der Arbeit auf dem Hofe, denn der Krüger hatte die Wirtschaft und den Kramladen nur so nebenbei, und Ramaker arbeitete auf dem Felde mit, weil der Knecht eine schlimme Hand hatte. Den beiden Männern kam das sehr zu Passe, denn Volkmanns letzter Taler war verzehrt und so konnten sie Kost und Nachtlager mit ihrer Hände Arbeit bezahlen.

Als am Sonnabend Nachmittag Feierabend gemacht wurde, kam die Sonne durch. Lüder setzte sich in den Garten und machte dem kleinen Lieschen eine Puppe, und Strom, der immer bei ihm war, sah zu. Im blühenden Kirschbaume sang die Schwarzdrossel. Die Grauartschen schwatzten auf der Hecke und von dem Windbrette zwitscherten die Schwalben.

»So,« sagte Volkmann, »nun ist sie fertig, die Puppe. Und jetzt geh nach Deiner Mutter; es ist Abendbrotzeit für Dich.« Das Kind nahm ihn in den Arm und gab ihm einen Kuß auf die Backe, bei dem es dem Manne warm um das Herz wurde; dann lief es mit glänzenden Augen in das Haus und Strom schwänzelte hinterher.

Volkmann steckte sich eine Zigarre an und sah nach den gelben Osterblumen hin, die in dicken Horsten aus dem Rasen kamen und um die ein Ackermännchen herumsprang und nach Fliegen schnappte. Über ihm zwitscherte die Schwalbe in einem fort.

Seine Stirn hellte sich auf: ja, er wollte es wagen, wollte den Hof auf dem Hilgenberge antreten, wollte da hinten in der Haide ein Bauer werden, von dessen Giebel die Schwalbe lustig zwitscherte, und nicht wieder staubige Straßen fahren, an denen der Ortolan sein müdes Lied sang.