Die Welt der Stadtleute lag abseits von seinem Wege; das Schicksal hatte ihn nach harter Buße dahin gestellt, wo er hingehörte, in die Haide; es hatte ihm den Pflugsterz in die Hand gegeben und er wollte ihn festhalten. Und das Geschick hatte ihm einen Gehilfen gegeben in dem heimatlosen Knecht, so daß er nicht ganz alleine mit sich und seiner Erinnerung war.
Ein Wagen hielt vor der Wirtschaft und eine tiefe Männerstimme, die Lüder bekannt vorkam, rief die Tageszeit. Dann kamen Schritte über den Gang, ein Schatten fiel über das Gras, und als Volkmann aufsah, stand der lange Freimut vor ihm. Bis auf einige graue Haare war er noch derselbe Mann wie vordem; seine Augen hatten noch denselben Kinderblick und der blonde Bart bedeckte die ganze Oberbrust. Er war in Jagdkittel und Manchesterhosen und trug Schmierstiefel.
Er stand vor Volkmann, lächelte und schüttelte den Kopf: »Da schlag doch Gott den Deubel dot! Sagt bloß, wo kommt Ihr eigentlich her? Wir lauern und lauern, aber kein Volkmann läßt sich sehen. Einen Preis haben wir auf Euer edles Haupt gesetzt, bestehend in zwölf Pullen Forster Kirchenstück Auslese; aber selbst das half nicht. Schließlich hieß es, Wodan habe eine seiner Schwertjungfern losgeschickt und Euch zu einem längeren Abendschoppen gebeten.
Doch Spaß beiseite. Jetzt wollen wir einmal ernsthaft reden: was trinkt Ihr lieber, weiß oder rot? denn ich habe meinen eigenen Wein hier. Die Sache ist nämlich die: Baumeister Schönewolf, auch einer von uns Niefelheimern, und ich, wir haben die Jagd hier, fünfzehntausend Morgen zusammenhängend, uneingerechnet das große Moor, denn da weiß kein Deubel die Grenze, und der Hilgenhof gehört mit dazu.
Eine Frage noch: wer kennt Eure Verhältnisse hier? Der Vorsteher! Bonus, wie der Küchenlateiner sagt; dann sind wir unser vier: tres faciunt collegium, alleine vier ist auch nicht dumm.«
Er rief in das Haus hinein: »Deern, lauf mal nach dem Vorsteher, er möchte sofort kommen; eine wichtige Angelegenheit harret seiner. Kriegst auch nachher 'n Söten!«
Das Mädchen quiekte und lief los. »Und nun an die Gewehre! Ich habe einen Schmacht, daß ich Mazzes fressen könnte.«
In der besseren Stube saß der Baumeister und streckte Volkmann die Hand hin. Freimut sagte: »Unser Freund weiß Bescheid; er hat Euretwegen einen Lümmel einmal backgepfiffen und ihm nachher eine tadellose Terz in die Rippen gesetzt. So, nun wollen wir der selbstgeschlachteten Wurst die gebührende Ehre antun. Da ist ja auch der Vorsteher! Guten Abend, Vatter Garberding, comment vous portemonnez-vous? Und nun, ihr deutschen Männer,« er füllte vier Gläschen mit altem Korn, »erhebet euch und die Stimmen zum uralten germanischen Weihegesang: Wenn alle eenen hebbt, will eck ook eenen hebben! denn so ist es der Brauch bei den Mannen, so im Rheinischen Hof in Niefelheim, der Stätte der Gräuel, nächtlicherweile tagen.
Und ich soll euch grüßen von der ganzen Schwefelbande, vor allem vom kleinen Doktor, der mitgekommen wäre, wenn er nicht zufällig grade heute freite, und von Knüppel, dem Kunstmaler aus Deutschland, der ein Weib genommen hat und sich nur noch Sonnabends betrinken darf, aber nur ein ganz bißchen. Und hallo, das Wichtigste; als ich grade in die Bahn stieg, sah ich Herrn Mehls; er hat sein ganzes Geld in Kuxen verjuxt und ich führe fünf Prozesse gegen ihn, und an dem Tage, wo er so weit ist, daß er sich sein Mittag aus dem Mülleimer sucht, da will ich dem heiligen Hubertus eine Kerze stiften für hundert Reichsmark.«