Hell leuchtete aus dem dunklen Schlehenstocke die alte Eigenrune der Hilgenbauern heraus, und Volkmann wurde seltsam zumute, als er den Stock in die Hand nahm; ihm war es, als träte er damit das Erbe an.

Sie frühstückten und fuhren los. Die Birkenstämme an der Straße blitzten in der Sonne und wehten mit ihrem grünen Gezweige, die Wiesen waren weiß vom Schaumkraut, die Grabenufer leuchteten von den gelben Kohmolken, überall stelzten die Störche umher, und die Luft war voll von Lerchengesang und Krähengequarre.

Das ganze Land sah aus, als wenn es frisch aus der Wäsche gekommen wäre, alle Leute, die ihnen begegneten, hatten blanke Augen, und vor jedem Hause war Hundegekläff und hinter allen Hahnengekrähe.

Der Anwalt schlug Volkmann auf den Schenkel: »Mann, ich glaube, Ihr habt recht; ist das hier schön! Ich wollte verdammt auch lieber hinter dem Pfluge gehen, als Akten durchwurzeln und Verteidigungsreden herausrasseln. Hol's der Deuwel!«

Amtsrichter Ketel Frerksen winkte mit der langen Pfeife, als der Wagen herankam. Er war lang und schlank und man sah ihm den Reserveleutnant an, aber sein Benehmen war das des frohen Burschen, der auf der hohen Schule gewesen war.

»Freut mich von Herzen, Sie kennen zu lernen,« rief er und drückte Volkmann die Hand; »kommen Sie, erst will ich Sie meiner Familie vorstellen.« Er schob seine Gäste in den Garten, wo ein zierliches Frauchen, einen anderthalbjährigen Blondkopf an der linken Hand, mit dem Spargelstecher zwischen den Beeten herumspähte.

»Hier, Lottchen, das ist Herr Volkmann, genannt der Hilgenbur, und das ist mein ältester Sohn, Ubbe Ketelsen; wir sind nämlich Friesen. Und da ist das Frühstück: selbstgeschlachtete Radieschen, selbstgesäte Würste und Spargelsalat gibt es auch, und der Handkäse läuft weg, wenn wir ihn nicht schlachten. Aber was hat denn der Junge? Du willst zu dem fremden Onkel auf den Arm? Das ist doch sonst deine Art nicht? Komm, Väterchen will dich nehmen! Nicht? Na, das ist die Höhe!«

Volkmann nahm das Kind hin, das ihm die Backen strich, ihn fest in den Arm nahm und ihm einen Kuß auf das Haar gab. Die hübsche Frau des Amtsrichters schlug die Hände zusammen: »Das hat er noch nie bei einem Fremden getan, noch nicht einmal bei seiner Minna. Bitte, Minna, nehmen Sie das Kind.«

Das Mädchen kam, aber der Junge fing gefährlich an zu brüllen, als er von Volkmann fort sollte, er klammerte sich fest an ihn an und jubelte auf, als Lüder der Magd abwinkte, und er jauchzte vor Wonne, als er aus der braunen Hand ein Butterbrötchen bekam.