Mit diesem Manne unterhielt sich Volkmann liebendgern, anfangs über Bodenbestellung und Viehzucht, dann über Politik und Religion, und durch vernünftiges Vorstellen brachte er es dahin, daß Suput zum Pastor ging und sagte: »Herr Pastor, ich will es jetzt wieder nach der gebräuchlichen Art machen; ich glaube, ich hatte mich verbiestert.«
Das war dem Geistlichen sehr lieb, denn der Häusling war einer der tüchtigsten Männer in der Gemeinde, und der Vorsteher war es erst recht zufrieden, denn in der hillen Zeit war es ihm oft sehr störend gewesen, wenn sein Lehnsmann am Sonnabend ausgeblieben war.
Suput hatte bei dem Zusammenarbeiten mit Volkmann herausgefunden, daß dieser jedes Getier und alle Kräuter mit Namen zu nennen wußte, und da er von klein auf an draußen gearbeitet und auf alles ein achtsames Auge gehabt hatte, so kam er Volkmann fortwährend mit Fragen, die dazu beitrugen, daß die Unterhaltung zwischen ihnen nicht abriß.
So sagte er ihm eines Tages: »Als Engelke sich vor dem Moore hier anbaute als junger Kerl, da war hier bloß Haide. Da gab es Dullerchen und nach dem Moore zu Moormännchen, und in der großen Sandkuhle Lochschwalben. Nachher, als das Haus eben fertig war, bauten gleich Schwalben, und mit der Zeit kamen auch Spatzen, und als hier Land unter den Pflug kam oder zu Wiesen gemacht wurde, da war mit eins auch die Singlerche da, alles Vögel, die man auf Ödland doch nicht antrifft. Nun bedünkt mich, daß alle diese Vögel, und noch andere, als wie der Storch und der Kiebitz und der gelbe Wippsteert, daß sie alle früher hier nicht waren und erst zugereist sind, nachdem die alten Deutschen, wie es in den Büchern zu lesen ist, hier an die Herrschaft kamen und Viehzucht und Feldwirtschaft hier einführten, denn anders kann ich mir das nicht erklären. Aber das ist bloß so meine dumme Meinung, weil ich davon doch keinen rechten Verstand habe.«
Volkmann mußte lächeln, als der Mann so redete. Ihm, dem Fachzoologen, war diese Tatsache, daß die deutsche Tierwelt aus zwei ziemlich scharf getrennten Schichten, der des Urlandes und der des Baulandes und der Siedelung, bestehe, wohl aufgefallen, aber nachgedacht hatte er darüber noch nicht weiter.
Nun saß dieser Häusling da, Peter Suput, rauchte seinen Rippenkanaster und stellte eine Theorie auf, die, wenn sie irgendein Gelehrter gefunden hätte, wohl Veranlassung gewesen wäre, daß dieser wer weiß wie hoch gesprungen wäre, die Theorie von der Quintärfauna; und das hätte ein dickes Buch mit vielen Karten und Tafeln und einen großen Aufstand in der Zoogeographie gegeben.
Aber Peter Suput hatte noch etwas anderes: »Diesen Sommer hat bei der Mühle ein Vogel gebaut, aus dem ich mir nicht klug werden kann. Er sieht aus wie ein Wippsteert, ist aber unten gelb. Es ist aber nicht der, der auf den Wiesen im Grase brütet und dem Vieh das Ungeziefer absucht, sondern er benimmt sich ganz so wie der weiße Wippsteert, und was der Hahn ist, der ist schwarz am Halse und das Nest stand unter dem hohlen Ufer.«
Der Hilgenbauer war neugierig, ging mit dem Häusling nach der Mühle und stellte fest, daß der Vogel die Bergbachstelze war, die er sonst nur im Berglande gefunden hatte. Aber als er daraufhin die Augen aufmachte, fand er, daß der Vogel weit und breit bei Mühlen und Stauwehren brütete, und er schüttelte bei sich den Kopf über Peter Suput und seine Beobachtungen.
Durch den Häusling erfuhr er auch, daß der Schulmeister Owerhaide für solche Dinge ein Auge habe und allerlei Sachen sammele, die er den Kindern zeigte, Steine, Baumfrüchte, Schlangen in Spiritus und dergleichen.