Lüder nahm mit Dank an, und dann gingen sie langsam durch die Haide. Als sie an dem Graben waren, der die Grenze zwischen der Hilgenhofer Haide und der des Vorstehers war, blieb Garberding stehen, sah Volkmann an und sagte: »Weißt du, was heute für ein Tag ist? Vor zwei Jahren standen wir zum ersten Male hier.«
Als er weiterging, setzte er hinzu: »Du hast mir damals gleich gefallen und meiner Trina auch. Junge, wenn die nicht auf die sechzig ginge, ich könnte es wahrhaftig mit dem Übelnehmen kriegen: sie redet von nichts weiter, als von dir; ich bin jetzt man Handpferd geworden.«
Er sah sich in der Haide um: »Ja, es ist doch man einmal schön hier bei uns. Da oben auf dem Harze, ich weiß nicht, schön ist es da ja wohl, und auch die Leute können mir ganz gut gefallen, und gesund ist es da auch für die Lunge, aber leben möchte ich da nicht. Man stößt mit den Augen meist überall gegen die Berge und denn redet mir das Volk auch zuviel. Und die Unruhe, die Unruhe! Selbst im Winter ist da alles voll von Stadtleuten, die vor Langerweile mit Kinderschlitten die Berge herunterrutschen oder sich mit den unklugen Schneeschuhen abmarachen, als wenn sie dafür bezahlt werden. Da ist es hier doch besser. Wie schön der Post riecht und das Birkenlaub! Der Doktor meinte, ich sollte noch dableiben, aber ich sagte ihm: Dann werde ich wieder krank.«
Er blieb wieder stehen und atmete mühsam: »Nun erzähl du; gehen und sprechen zusammen kann ich nicht mehr.«
Volkmann teilte ihm alles Wichtige mit, auch über das Kesseltreiben, das man gegen ihn veranstaltet hatte, und auf welche Weise Freimut sich dabei benommen hatte. Der Vorsteher lachte im Halse; einen Teil hatte er von seiner Frau schon vernommen, und er freute sich, daß Volkmann so gut dabei abgeschnitten hatte.
Nach dem Mittag ließ Garberding sich den Liegestuhl, den er sich mitgebracht hatte, in den Garten stellen und sagte: »Da liegt man nun zugedeckt, als wie ein Wiegenkind, und sieht ein Loch in den Himmel. So, nun schmök mir was vor; ich habe es mir abgewöhnen müssen; es geht auch so.
Jetzt wollen wir einmal die alte Bohrgeschichte besprechen. Der Mann, Neumann heißt er ja wohl, läßt nicht locker und hat hier einen Vorvertrag geschickt, der für die politische und für die Realgemeinde gültig sein soll, damit ich ihn in der Gemeindeversammlung vorlegen kann. Ich habe ihn zehnmal und mehr durchgelesen, und ich glaube, so ganz uneben ist er gerade nicht. Hier ist er!«
Volkmann las die dreißig Abschnitte des Vertrages durch, fand aber bald mehrere Stellen, die für die Gemeinde gefährlich werden konnten, und deshalb schlug er vor, die Landwirtschaftskammer in Hannover solle über den Vertrag erst ein Gutachten abgeben. Nach acht Tagen kam der Vertrag zurück und ein anderer dabei, der auf den von der Kammer entworfenen Mustervertrag zugeschnitten war, und mit dem sich die Gemeindeversammlung zufrieden erklärte.
Der Berliner machte ein Gesicht, wie der Hund zu dem Zaunigel, als ihm gesagt wurde: So oder überhaupt nicht! reiste ab, um den Vorvertrag seiner Gesellschaft vorzulegen, und nach vierzehn Tagen fand die Versammlung statt, in der die Annahme erfolgen sollte.