Da die Vorarbeiten für die Bruchentwässerung in Angriff genommen wurden und eine Nachverkopplung notwendig wurde, die viel Lauferei und Schreibarbeit mit sich brachte, so war es mit einem Male mitten im Frühling, und es war ihm, als er die erste Lerche über der grünen Saat hörte, als wäre sie den Tag zuvor erst fortgezogen.
An einem Aprilabend, als er aus dem Bruche kam und an dem Ellernbusche vorbeiging, der zu beiden Seiten der Beeke lag, hörte er einen fremden Ton und sofort sagte er sich: »Das ist ja eine Nachtigall.«
Er blieb stehen und wartete, bis sie weiterschlug, und dann mußte er lachen, denn an seine naturgeschichtliche Arbeit hatte er den ganzen Winter nicht denken können und an vieles andere auch nicht.
Ganz selten einmal, wenn er im Schummern am Herdfeuer saß und rauchend in die roten Flammen sah, hatte er an das große, schöne Mädchen mit der hellen, reinen Stimme gedacht, und nur so, wie man an einen Traum denkt, den man nicht vergessen kann und nicht vergessen will.
Nun aber, als er abends allein bei dem Feuer saß und an den einen Laut dachte, der aus dem Ellernbusche kam, war es ihm, als hätte er tags zuvor erst ihre Stimme an seiner Schulter gefühlt, und als der Spinnstuhl sich meldete, bedünkte es ihm, als hätte die Allerschönste dort eben gesessen und müsse im Augenblicke wieder hereinkommen, ihn anlächeln und ihre Stimme ihm entgegenflattern lassen.
Als er dann in der Dönze saß und noch einige Zahlen aus seinem Taschenbuche eintrug, da schrieb er, fast ohne zu wissen, was er tat, ein Dutzend Zeilen auf einen leeren Streifen Papier, und dann schüttelte er den Kopf über sich selber, denn seit seiner Burschenzeit hatte er kein Gedicht mehr geschrieben.
Er las es durch und nickte zustimmend, als hätte jemand anders es geschrieben, das Liedchen, das in zwölf Zeilen die Empfindung ausdrückt, die ein Mensch hat, der tief im braunen Bruche einen einzigen verlorenen Nachtigallenlaut vernimmt.
Er las es noch einmal, lächelte und dachte, daß es wirklich gar kein schlechtes Gedicht wäre, und als er im Bette lag, war es ihm, als sei es nicht die Nachtigall gewesen, sondern eine andere Stimme, die ihn gezwungen hatte, stehenzubleiben.
Freimut hatte seine Hochzeit auf den ersten Mai, »den Tag der Odinsfreite,« wie er schrieb, angesetzt und dabei bemerkt: Frack brauchst du nicht; wir kommen alle im Gevatterrock, dieweil wir nicht den Ehrgeiz haben, wie Kellner auszusehen. Einen Polterabend kann ich mir nicht leisten; ich habe an dem Tage eine Verteidigung.