So packte Volkmann den Kirchenrock und den hohen Hut in den Reisekorb, den Freimut dagelassen hatte, und fuhr los. Seine Gabe, eine sehr schöne alte Beilade mit reicher Schnitzerei, die er hatte zurechtmachen lassen, hatte er durch den Baumeister schon in das Heim der Brautleute schicken lassen.

Als er in der großen Stadt war, suchte er sich ein ruhiges Gasthaus, ging dann durch die Straßen, kaufte sich Handschuhe und leichte Schuhe und ließ sie nach dem Gasthofe schicken. Dann setzte er sich an der Hauptstraße in ein Kaffeehaus, um hinter der Efeuwand her das bunte Leben zu betrachten.

Alle Leute blickten auf, als der bäuerlich angezogene lange, schöne Mann mit dem braunen, bartlosen Gesichte zwischen den Marmortischen einherging. Die Männer lächelten spöttisch, die Frauen aber reckten sich die Hälse nach ihm aus und mehr als eine flüsterte: »Wie interessant; ein Bauer mit Schmissen!«

Als er sich gesetzt hatte und dem Kellner winkte, dachte er so bei sich: Was für unverschämte Augen die Frauensleute hier doch machen! denn er hatte sich schon ganz an die dörfliche Art gewöhnt.

Er fand, daß er an dem städtischen Leben gar keinen Anteil mehr hatte; so manches Gesicht kannte er noch von früher her, sah fein angezogene Leute, die damals einfach gingen, und andere, denen es nicht so gut zu gehen schien wie vordem.

Der Lärm, die Rastlosigkeit, die Reklame, der abscheuliche Gegensatz zwischen Protzerei und Elend, alles das widerte ihn an, und als der Kellner einen vor Nervenschwäche am ganzen Leibe fliegenden Mann, der Ansichtspostkarten feilbot, hinausweisen wollte, stand der Bauer auf, kaufte drei Karten und gab dem armen Menschen ein Zweimarkstück.

Grade war er dabei, die Aufschriften abzufassen, denn er wollte die Karten an Garberding, Ramaker und Nordhoffs Lieschen schicken, da fuhr er in die Höhe, denn eine Stimme, die er nur einmal und nicht wieder in seinem Leben gehört hatte, erklang jenseits der Efeuwand.

Der Bleistift fiel ihm aus den Fingern, er sprang auf und trat auf die Straße, sah aber nur noch den Lohnwagen im Gewühl verschwinden.

Wie vor den Kopf geschlagen fiel er auf den Stuhl, trank einen Schluck von dem Bier, bezahlte und ging, ohne seine Postkarten mitzunehmen.

Er wanderte von der Hauptstraße nach den Anlagen und von da wieder in das Gewühl, ohne etwas zu sehen, ohne daran zu denken, daß er noch essen und sich umziehen müsse.