Mit knapper Not kam er in seinen Kirchenrock, ließ sich einen Wagen kommen und drängte sich durch den Kreis der Zuschauer in dem Augenblick in die Kirche, als die Orgel losjubelte und das Brautpaar zum Altare schritt.

Er sah nichts, er hörte nichts, denn alle seine Sinne waren bei seinem Erlebnisse an jenem Vormittage im April, als der Ortolan in der Hängebirke sang und die Luft nach Post und Juchten roch.

Die Kirche war voll von Juchtenduft, denn sie war mit grünen Maibäumen ausgeziert, und der Geruch der Heimathaide legte sich so eng um den Mann, daß er den Altar und den Priester und das Brautpaar wie ein Bild sah, das ihn kein bißchen anging, und die Traurede hörte sich für ihn nur an, wie das Rauschen von Laub im Winde.

Dann aber machte sein Herz einen Satz, seine Augen wurden groß und er tat einen Schritt voran, besann sich aber und sah nur, indem ihm das Blut umschichtig zum Kopfe und zum Herzen schoß, dahin, wo die stand, deren Stimme er an jenem Apriltage und heute jenseits der Efeuwand vernommen hatte.

Er kannte sie auf den ersten Blick, trotzdem ihr Gesicht und ihre Gestalt etwas voller waren als damals, und obgleich sie ihm in dem ausgeschnittenen Kleide und den bloßen Armen ein wenig fremd vorkam. Er fühlte viel Glück in sich, und ein jähes Durstgefühl machte seine Lippen trocken, dann aber ging ihm ein Stich durch das Herz; sie war schon lange eines anderen Frau. Er trat auf dem Läufer leise näher, um die Gesichter der Männer zu sehen und zu erraten, wer es wohl sein könnte, der zu ihr gehörte.

Die Traurede war nur kurz, ihm aber deuchte sie, kein Ende zu haben, und als das Brautpaar an ihm vorüberging, der junge Ehemann ihm zunickte und die junge Frau ihn anlächelte, starrte er sie an, als wenn er sie nicht kenne.

Dann aber kam der Baumeister auf ihn zu, nahm ihn beim Arm und, indem er sagte: »Kommt her, ich muß Euch Eurer Tischdame vorstellen, Ihr Bummler, der Ihr seid«, führte er ihn zu jener, der er dereinst dahinten in der Haide Beistand leistete.

Es waren nur zehn Schritte, die der Bauer zu machen hatte, aber er war todmüde und elend vor Aufregung, als er sie hinter sich hatte, und erst, als Schönewolf gesagt hatte: »Ihr Tischherr, Fräulein Rotermund, der Vorsteher Volkmann, genannt Hilgenbur aus Reethagen«, da bekam er wieder Kraft und sah sie an.

Als sie mit glührotem Gesicht ihren Arm unter seinen schob und er sie zum Wagen führte, kam er sich vor, als machte er selber heute Hochzeit.