Die Haidlerche.

Auf dem Hilgenhofe gab es einen großen Aufstand an diesem Abend, denn um acht Uhr kam der Briefträger angeradelt und brachte eine dringende Depesche für Ramaker.

Der drehte das Papier unschlüssig in der Hand um, denn er hatte noch nie eine Depesche gesehen, und schließlich mußte der Briefträger es aufmachen und vorlesen, was darin stand, und der Häusling, die Frau und die Magd standen da, hielten die Hände im Schoß zusammen und machten Gesichter, als ginge es auf Leben und Sterben.

Aber es stand bloß darin: »Ich bleibe noch drei Tage hier. Sagt Garberding Bescheid und haltet euch munter. Volkmann.« Da atmeten sie alle auf.

Um drei Uhr nachts war der Bauer in seinen Gasthof gekommen; als es fünf war, lag er noch wach. Er stand auf, zog sich an, ließ sich von der Magd, die das Gastzimmer aufwusch, Frühstück geben und schenkte ihr einen blanken Taler, so daß sie ihm ganz verdutzt nachsah, denn sein Benehmen war nicht so, als ob er Unrechtes mit ihr im Sinne habe.

Volkmann ging durch die Straßen, in deren Vorgärten die Tulpen unter den blühenden Bäumen in allen Farben leuchteten und über deren Dächern die Mauersegler vor Wähligkeit schrien, denn es war ein prachtvoller Morgen und der Himmel war hoch und hell.

Hoch und hell sah es auch in dem Bauern aus, als er leichten Schrittes dahinging, und manches niedliche Dienstmädchen, das mit dem Korbe zum Bäcker wippte, machte ihm runde Augen, denn er sah aus, als ob er die ganze Welt in den Arm nehmen wollte.

Das hätte er auch am liebsten getan, denn zuviel Glück war in ihm. Er ging in den Stadtwald, in dem das Sonnenlicht mit dem Nebel spielte und der voll von Vogelliedern war, und suchte in dem Teil, wo die hohen Fuhren ragten, eine Bank auf, die ganz versteckt an einem Graben lag.

Dort war früher sein Lieblingsplatz gewesen, wenn er, abgespannt von der Arbeit bei der Zeitung und dem Parteikampfe, Erholung gesucht hatte, und wo er an dem Morgen des Tages saß, in dessen Verlaufe ihm das Genick gebrochen wurde.