Nach einer Stunde aber waren sie schon anderer Ansicht; sie fanden bald heraus, daß das Mädchen das ländliche Hauswesen gut kannte, denn sie war auf dem Dorfe groß geworden und hatte auch späterhin viel auf dem Lande gelebt.

»Weißt du was,« sagte Garberding, der ordentlich auflebte, seitdem sie auf dem Hofe war, am dritten Tage, »was ich dir vorschlagen möchte? Du hast nach keinem Menschen was zu fragen; bringe alles, was du hast, zu uns, bis ihr freit. Das ist für Volkmann gut und für dich auch, denn von unserer Mutter lernst du dann, wie es hier zugeht. Jedes Land hat seine Eigenheiten, und wo einer wohnt, da muß er sich nach dem andern richten. Du lernst dann auch so nach und nach die Leute hier kennen, besser noch, als wenn du erst da hinten auf dem Hilgenhofe bist. Platz ist eine Masse für dich da, und du kannst es dir einrichten, wie du es gewohnt bist.«

»Mit tausend Freuden nehme ich das an, Vatter Garberding,« sagte das Mädchen, »ich hatte das gleich gewünscht. Vor Oktober wollte ich ja sowieso keine Stelle wieder annehmen, sondern bei einer Freundin bleiben, die mich schon lange eingeladen hat. Daraus kann nun nichts werden, denn es ist mir zu wichtig, zu lernen, wie man sich hier zu den Leuten stellen muß. Ich war erst auf einem Gute in Westfalen, wo die Frau kränklich war; da war ganz leicht mit den Diensten umzugehen, wenn sie auch etwas dickköpfig waren; nur freundlich mußte man sein, nicht befehlen, sondern anordnen. Dann, als das Gut verkauft wurde, ging ich nach dem Posenschen; da war es ganz anders: mit Freundlichkeit kam man mit dem Volke da nicht aus; da mußte man kurz sein und den Herrn zeigen, sonst blieb die Arbeit liegen.«

Sie reiste ab und kam nach ein paar Tagen wieder. »So,« rief sie, »nun kann die Nähersche kommen; ich habe mir alles besorgt, wie es sich für eine richtige Bauersfrau gehört. Aber ich sage euch, Augen haben sie gemacht beim Kaufmann! Beinahe so, wie in der Stadt, denn bei Frau Freimut klingelte es den ganzen Tag und dann ging es los: Liebes Fräulein, haben Sie sich das auch überlegt? Sie mit Ihrer Bildung und ein gewöhnlicher Bauer. Das tut nicht gut.«

Wie Volkmann im vorigen Sommer, so war sie jetzt morgens die erste, die aus dem Bette sprang, und wenn Frau Garberding in die Küche kam, war der Kaffee schon fertig. »Mädchen,« sagte die alte Frau, »du bist unser Besuch und arbeitest wie eine Magd?«

Holde hielt ihr die Hände vor das Gesicht: »Sieht man es ihnen an? So laß mir mein Vergnügen; wenn ich nicht überall zufasse, lerne ich nichts.«

Sie ging mit auf die Weide und melkte zur Verwunderung der Mägde, als wenn sie nie etwas anderes getan hätte, sie half im weißen Fluckerhut, roten Leibchen und blauen Rock beim Heumachen, sie hackte das Gemüse im Garten und wandte die Wäsche auf der Bleiche und abends saß sie mit dem Strickstrumpfe in der Hand mit Lüder und dem Bauern vor der Türe, denn Lüder kam jedweden Abend.

»Junge,« sagte der alte Bauer zu ihm, »Junge, du kannst lachen. So 'ne Frau wie die!«

Ob Volkmann wollte oder nicht, die Hochzeit wurde bei Garberding gefeiert. »Wir haben nicht Kind und Kegel und wollen auch unser Vergnügen haben,« meinte Frau Garberding.

Es war keine große Hochzeit, denn es war in der Heuezeit und die Brautleute hatten keinen Anhang im Dorfe, und außer Freimut und seiner Frau waren keine Fremden eingeladen, aber es war eine lustige Hochzeit, darüber waren alle einer Meinung, und noch wochenlang nachher gnickerte mancher sauertöpfische Bauer vor sich hin, wenn er an die Rede dachte, die der lange Rechtsanwalt gehalten hatte. So eine Rede hatte noch keiner gehört, denn was er von Bauernart und Bauernstolz und Bauernarbeit sagte, das ging den Leuten glatt herunter.