»Mein Lieber,« stöhnte der Anwalt einige Zeit später, »mit meiner Rede auf deiner Hochzeit habe ich mir schön was an die Hacken gehängt! Ich habe schon sowieso genug zu tun, und nun kommt mir noch euer ganzes Kirchspiel mit seinen Prozessen. Wenn das so fortgeht, muß ich wahrhaftig die Jagd zur nebenamtlichen Beschäftigung machen.«

Er kam jetzt meist mit seiner Frau. »Weißt du,« sagte sie eines Tages zu Holde, »das, was man Flitterwochen nennt, das hast du nicht kennen gelernt. Na, ich ja auch nicht. Ganze acht Tage waren wir im Harz, da hatte Jochen es satt, das heißt, das Gasthausleben. Und wer weiß, wozu es gut ist. Ich habe eine Freundin, die leistete sich ein ganzes Flittervierteljahr, denn sie hatte es dazu. Na, die haben auf Vorrat geküßt, denn jetzt ist er das ebenso leid wie sie. Ihr Bauern seid darin vernünftiger. Weißt du, was Jochen neulich sagte? Wenn es ein Junge wird, und das will ich hoffen, dann soll er nicht auf dem Asphalt hinter dem dreckigen Groschen herlaufen; Bauer soll er werden.«

Als Freimut ankam, legte er seiner Frau die Hände auf die Schultern und sagte: »Rate einmal, was du heute geworden bist?«

Sie sah ihn verwundert an und er lachte: »Anbauersfrau! Ich habe Garberding das dumme Stück Abland, wie er immer sagt, da zwischen Bruch und Haide abgekauft. Wie stehe ich jetzt da? Nun wird da eine Häuslingswohnung hingebaut und da verleben wir hinfüro die Zeit, in der ich keine Männerreden vor Gericht zu schmettern und zu Hause keine Akten durchzuwurzeln habe.

Die Sache ist nämlich die: solange ich lebe und eine Knarre schleppen kann, behalte ich Garberdings und Lüders Jagd und die andere hoffentlich auch noch. Nun wird erst höchst eigenhändig der Busch gerodet und ein Obstgarten angelegt und Forellen- und Karpfenteiche gebuddelt und so nach und nach wird das dann deine Sommerfrische, und dann habe ich doch immer einen vernünftigen Grund, zur Jagd zu gehen, und Oldwig kann zu Hause Aktenstaub schlucken.

Im April geht die Bauerei los, und die Grundsteinlegung wird schauderhaft festlich mit Flaschenbier und selbstgeschlachteten Würsten gefeiert. Und auf meine Namenskarte lasse ich jetzt drucken: Jochen Freimut, Anbauer, Jagdidiot und im Nebenamt Rechtsverdreher.«

Es wurde auch eine sehr lustige Feier, aber der Hilgenbauer war nur eine Stunde dabei und seine Frau gar nicht, denn sie hatte ihm am Morgen dieses Tages Zwillinge geschenkt, einen Jungen und ein Mädchen.

»Hochgeöhrte Anwesende, geliebte Festgenossen, werte Gäste,« hatte Freimut seine Rede angefangen, »der augenblickliche Tag ist bedeutungsvoll für uns. Zum ersten, weil wir hier den Grundstein zu dem Hause legen, in dem hoffentlich einst mein ältester und vorläufig einziger Sohn Lüder etwas Vernünftigeres treiben wird als sein die Natur mit Pulverdampf erfüllender Vater; zum zweiten besteht die Familie Volkmann seit fünf Uhr dreißig Minuten heute früh aus vier Köpfen, sintemal und alldieweil der Adebar zweimal geflogen kam, wie das, wie man bei Ramakers gesehen hat, dort das übliche zu sein scheint. Gehet hin und tuet desgleichen, so daß man nach zehntausend Jahren noch singen kann, Musik!!: Deutschland, Deutschland über alles!«