Als Freimut hinterher zum Hilgenhofe ging, denn er mußte den Abend noch abreisen, fand er Garberdings da. Die alten Leute waren selig, und besonders die Bäuerin lachte und weinte durcheinander und sagte in einem fort: »Jetzt bin ich doch noch Großmutter geworden!«

Und sie wurde die Großmutter, und es verging kaum ein Tag, daß der Garberdingsche Wagen nicht angefahren kam, und war das Wetter schön, so konnte man darauf rechnen, daß auch Garberding mitkam, denn der Bauer mußte sich sehr vorsehen.

»Mit mir ist nicht mehr viel Staat zu machen,« sagte er zu Volkmann, »wenn ich den Winter noch überstehe, so ist es ein Wunder. Es schadet auch nichts; ich kann mit meinem Leben zufrieden sein; fünfundsechzig bin ich, das ist ein schönes Ende.

Und nun will ich dir was sagen, mein Junge: sieh mal, Kinder haben wir beide nicht, Trina und ich, und was wir an Verwandtschaft haben, das ist so weitläufiger Art, daß wir da nichts von wissen, und wir beide sind ja auch noch verwandt miteinander. Deswegen habe ich das mit unserer Mutter so abgemacht: du sollst meinen ganzen Hof haben mit allem, was drum und dran ist, und das bare Geld, das nicht ganz wenig ist, kann bis auf einiges, das ich anderer Weise verwenden will, die Verwandtschaft kriegen.

Ich bin noch nicht fertig; hör zu; der Tormannshof, auf den ich geheiratet habe, hat ein großes Stück von dem Hilgenhofe zu sich herübergezogen, denn als dein Großvater starb und hinterher der Anerbe, verkaufte dein Oheim, weil er doch in der Stadt sein Geschäft hatte, dreihundert Morgen an meinen Schwiegervater, während dein anderer Ohm, der Professor, das andere bekam. Unsere Mutter und ich sind beide in demselben Augenblick auf diesen Gedanken gekommen.«

Der Hilgenbauer hatte einen ganz roten Kopf bekommen. »Ich kann das so ohne weiteres nicht annehmen, Garberding,« versetzte er, »ein solches Geschenk. Einmal wird mir das Mißgunst schaffen im Dorfe, und dann, ob Ihr mit Eurer Verwandtschaft auch noch so weit auseinander seid, Verwandtschaft bleibt Verwandtschaft. Bedenke, sie könnte mir Erbschleicherei vorwerfen.

Und schließlich, meine politischen Ansichten stehen dem auch entgegen. Ich hätte dann weit über tausend Morgen, und das ist zu viel. Großgrundbesitzer haben wir mehr als genug, was uns fehlt, das sind Bauern. Ein Musterwirt von Gutsbesitzer ist nicht so viel wert für die Erhaltung der deutschen Volkskraft als zehn Kleinbauern, die nach der alten Art wirtschaften. Er kann zehn Kinder haben meinetwegen, dann haben aber die zehn Bauern hundert.

Wenn du mir etwas Land schenken willst von unserem alten Besitz, so danke ich dir herzlichst im Namen meines Jungen; aber alles kann ich nicht annehmen.«

Acht Tage später kam der Großknecht vom Garberdingschen Hofe angeritten; der Bauer war in der Nacht gestorben. Ganz sanft war er hinübergegangen. Die Bäuerin war sehr gefaßt: »Es ist hart für mich,« seufzte sie, »aber ich sah es ja kommen. Zu guter Letzt sagte er noch: ›Mutter, nun bist du doch nicht allein, wo du die Kinder hast.‹ Und das ist auch mein Trost.«

Sie gab den Hof in Pacht und zog auf den Hilgenhof. »Verzieh mir die Kinder nicht so, Großmutter,« mußte Frau Volkmann jeden Tag wohl dreimal sagen, denn den ganzen Tag war Frau Garberding mit den Kleinen zu Gange, und als nach zwei Jahren noch ein Junge da war, da war sie ganz glücklich.