Seitdem Frau Holde auf dem Hilgenhofe war, hatte sich der Bauer in der schlechten Jahreszeit wieder an seine Arbeit gemacht und seine Quintärfauna von Deutschland in einer wissenschaftlichen Zeitung erscheinen lassen.

Die Arbeit machte großes Aufsehen, und in dem führenden Fachblatte wurde sie die wichtigste zoo-geographische Arbeit aus der deutschen Fauna genannt, die in den letzten fünfzig Jahren erschienen wäre.

Neben der Beschäftigung mit dieser Arbeit hatte der Bauer den Stoff für eine andere gesammelt, in der er die Veränderungen darstellen wollte, die die höhere Tierwelt des Gaues von den ältesten Zeiten bis auf seine Tage erfahren hatte, doch kam er davon ab, als er die Einzelheiten aus der Literatur, die ihm der naturwissenschaftliche Verein zu Bremen beschaffte, und aus allerlei Akten zusammensuchte, und aus den alten Leuten in der Gegend herausfragte, und auf einen anderen Gedanken.

Der Name seines Hofes und die Tatsache, daß die gewaltige Eiche, die mit den dreihundert anderen dort stand, nicht unter die Axt gekommen war, hatten ihn auf die Vermutung gebracht, daß es mit dem Hilgenhofe eine besondere Bewandtnis haben müsse.

Als er Thöde Volkmanns Bücher durchsuchte, fand er darunter einen mühsam zusammengebrachten Stammbaum der Hilgenbauern, der zwar einige kahle Stellen aufwies, aber weit zurückreichte, und in demselben Hefte eine Menge Aufzeichnungen über die Geschichte des Hofes und der Besitzer, sowie in einem Fache des Schrankes alle Literatur, in denen der Hilgenhof und Reethagen vorkamen.

Der Hilgenbauer fühlte sich mit seinem Hofe so sehr verwachsen, daß er selbst schon allerlei über ihn und seine Besitzer zusammengetragen hatte; er forschte weiter nach, wo er irgendwelche Urkunden, Akten und Aufzeichnungen vermutete und trug alles in das grüne Heft seines Ohms ein; dann zog er daraus den Stammbaum und trug ihn in einen starken Band mit Lederdeckel ein, den er eigens zu diesem Zwecke gekauft hatte und der das Hausbuch der Hilgenbauern werden sollte und davor in knapper Fassung die Geschichte des Hilgenhofes und seiner Besitzer, und die Bäuerin, die sehr gut zeichnete und malte, fügte Bilder von dem Hause, dem alten Wahrbaume, dem Hilgenberge, dem Grasgarten und dem Fleet hinzu und ihre, ihres Mannes und der Kinder Abbildungen.

Lüder hatte schon auf der Lateinschule sehr viel gelesen und auf der Hochschule und später noch mehr; jetzt las er nur ganz selten noch und eigentlich nur solche Bücher, die sich mit der Geschichte der Heimat und ihrem Volke beschäftigten, schöne Literatur dagegen gar nicht.

Dadurch kam er ganz zu sich selbst und lenkte seine Gestaltungskraft, die fortwährend in ihm arbeitete und die in den letzten Jahren ganz von der Arbeit für den Hof mit Beschlag belegt war, nicht ab, sondern speicherte einen großen Vorrat davon in sich auf.

Als ihm nun beim Holzabfahren in der Wohld ein Stamm den rechten Fuß so schwer gequetscht hatte, daß der Arzt ihm für lange Wochen Liegen verordnete, fühlte er sich sehr unbequem, denn mit dem Lesen von Büchern konnte er seiner Unruhe nicht Herr werden.

»Schreibe deine Gaufauna fertig,« riet ihm seine Frau, und sie beschaffte ihm ein Pult, das an das Bett geschraubt wurde. Er begann zu schreiben, aber während er bei der Einleitung war, in der er das Land schilderte, wie es zu den Zeiten ausgesehen haben mochte, als noch Urochs, Bär, Adler und Uhu dort lebten, traten, je weiter er kam, immer mehr die Menschen vor ihn, während das Getier zurückwich.