Mit einem Seufzer, aus Lust und Ekel gemischt, fuhr er in die Höhe, sah wirr um sich, sprang aus dem Bette, warf sein Nachtgewand von sich und stieg in das Bad. Erst als er fertig angezogen vor dem Spiegel stand, gelang es ihm, den Zug von Pein fortzuwischen, der um seinen Mund lag.
Aber als er genauer zusah, erblickte er hinter seinem Spiegelbilde einen anderen Mann, von den Füßen bis zum Kopfe in Eisen gehüllt, der ihn aus der Visierspalte mit herrischen Augen ansah, und als er sich die Augen näher anschaute, erkannte er, daß es seine eigenen waren, und er wunderte sich darüber.
Doch da war das zweite Spiegelbild auch schon verschwunden. »Nervenüberreizung«, dachte er und ging in das gelbe Zimmer.
Der eiserne Ritter
Die Sonne spielte mit den Stäubchen Kriegen, als er durch das Treppenhaus ging; sie fiel durch die grünen und roten Fensterrauten und warf bunte Streifen durch den Raum, die als seltsame Flecke an den Wänden hängen blieben.
Helmold ging auf dem Läufer; deshalb wunderte er sich, daß seine Schritte klirrten, als habe er Reitstiefel an. Er drehte sich um, denn er dachte, der Reitknecht sei hinter ihm; aber als er den Kopf wandte und sein Blick in den Pfeilerspiegel fiel, sah er den eisernen Ritter darin stehen und zu ihm herübernicken. »Kaltwasserheilanstalt!«, dachte er.
Swaantje stand am Fenster, als er in das Frühstückszimmer trat; sie hatte das gefährliche Kleid an. Als sie ihn anlächelte und ihm die Hand bot, wurde ihm weh um das Herz, und ein bitterer Geschmack war in seinem Munde. Er dankte stumm, als sie ihm in ihrer lautlosen Art die Brotschnitten zurechtmachte und hinreichte, ihm den Tee eingoß und freundlich sagte: »Nun iß, lieber Helmold, und erzähle mir, was dir geträumt hat!« Er sah sie so entsetzt an, daß sie erst auflachen wollte, aber dann neigte sie sich über den Tisch, griff seine Hand und fragte: »Was hast du für einen traurigen Mund? Wieder schlecht geschlafen? Du sollst hier nicht an deine Bilder denken; das hast du mir doch versprochen.«
Ihr Vater und seine Schwester kamen; erleichtert atmete Helmold auf. Der alte Herr sah die Post durch. Er machte ein böses Gesicht, und Frau Gese fragte ihn besorgt: »Sind die Kurse wieder gefallen, liebster Ollig? Ich habe es mir gleich gedacht, denn wir haben nun einmal kein rechtes Glück; mein Los hat auch wieder eine Niete gehabt. Und denke dir, Pinke hat sagen lassen, mehr als acht Pfennige gäbe er für die Eier nicht mehr! Das ist doch wirklich stark. Swaantien, hast du schon gefragt, wie viele heute da sind?« Das Mädchen nickte. »Und ob das weiße Perlhuhn noch immer nicht da ist?« Das Mädchen antwortete durch ein Kopfschütteln. »Vergiß ja nicht, Fenna zu sagen, daß sie nicht wieder von der besten Butter für die Leuteküche nimmt, und Janna soll keine Zeitungen mehr zum Feueranmachen nehmen, sondern Reisig. Das Mädchen bringt mich noch um mit ihrer Verschwendungssucht!«