Da sah ihn die Stimme, die nicht von gestern war und nicht von heute, und nicht hier noch da, und weder laut noch leise, freundlich an, und also sprach sie: »Ich halte deine Schwüre in der einen Hand und deine Gelübde in der anderen, und ich sehe, sie sind wahr und ehrlich und treu; so wisse denn: lege deine grünen Hoffnungen alle ab, wirf deine blauen Träume hinter dich und tritt weit fort von deinen roten Wünschen. Das ist das eine; aber das zweite ist dieses: zertritt das bunte Gedenken, reiße ab die lachenden Erinnerungen und rotte gänzlich aus das Wissen von dem, was du nicht wissen durftest. Das ist das andere; aber das letzte ist dieses: laß dein Lachen hier im Walde liegen und dein Weinen, wo deine Füße stehen, und all dein Fühlen mußt du der Einsamkeit geben und der Dunkelheit und der Stille. Ohne Wehr und Waffen gehe von hier, daß ich nicht mehr zittern muß, wenn deine Schritte meine Gedanken kreuzen, wenn deine Augen Schatten auf meinen Weg werfen und deine Sehnsucht über mein Herz hinwegfliegt. Gelobest du mir das?«

Seine Seele neigte ihr Haupt und gelobte es bei allem, was sie fürchtete, und da sprach die Stimme zu ihm, und noch freundlicher sprach sie, daß es wie Maiensonne auf seine Angst fiel, und also sprach sie zu ihm: »Siehe, meine Augen sie bluten nicht mehr so sehr, und meine Lippen röten sich ein wenig, und meine Hände zittern kaum noch, weil die Furcht sie nicht mehr so quält und die Angst und das Entsetzen; und nun höre: du hast gerufen heute: du edeles Wild, adelig Getier, mein sollst du sein, ehe daß die Sonne sinkt. Wenn die Sonne sank für dich wie für mich, keine Blume uns mehr blüht und Schmerz und Lust uns nicht mehr ihre Lieder singen, dann will ich dein sein, ganz und gar dein sein, für immer und ewig dein sein, du lieber, viellieber, geliebter Jägersmann.«

Als er in das Dorf zurückkam, riefen im Kruge die Fiedeln, und die Trompeten schrien, und eine Flöte lachte: »Komm tanzen, junger Jägersmann!« Er ging in den Saal und sah sich um. Annemieken stand da, schön wie immer, aber sie kannte ihn nicht. Sein Freund ging an ihm vorüber, aber er sprach ihn nicht an, und sein Feind warf seine Augen auf ihn, doch ohne Haß.

An der Wand hing ein Spiegel; der rief ihn zu sich hin. Er sah hinein und setzte sich auf die Bank der alten Leute.


Der graue Engel

Im blauen Himmel ging alles auf Strümpfen. Die Straße war auf drei Häuserlängen mit Stroh belegt und mit Kaff bestreut, und an der Haustüre hing ein Schild, auf dem zu lesen stand: Kein Ausschank. Alles Vieh und auch der Hund waren in der Nachbarschaft untergebracht, und die Pumpe war festgebunden, und auf der untersten Treppenstufe war mit Kreide die heilige Fünf hingemalt, denn der Tod stand hinter der Haustür.

Er war wütend. Kinder, Greise und sonstiges Niederwild zu jagen dünkte ihm kein Waidwerk; nach Edelwild gelüstete ihn, nach einer hohen Beute. Diesen Mann da zu fällen, diesen großen Künstler, ehe er sein Bestes gegeben, ehe daß er Tausenden von Menschen das Herz gestärkt hatte, das war ein lohnendes Ziel. Über die zwei Männer und die Frau, die zu seiten des Krankenbettes saßen und ihre Schilde vor den siechen Mann hielten, lachte der Tod; aber die eine, die nicht da war, die machte ihm schwer zu schaffen.