Er schwenkte den Arm: »Tanzen sollst du, bist du weich bist, windelweich, und dann nehm' ich dir den Rosenkranz ab, Ringelringelrosenkranz ab. Ein bißchen welk ist er schon. Und nun haben wir die Bescherung. Siehst du, Prinz, du pürschst zu laut! Sekt her! Was kann das schlechte Leben helfen. Die alten Deutschen tranken noch eins!«

Er lachte: »Ja, malen, das kann ich. Kranke Frauen kriegen ganz gesunde Kinder, gehen aber leicht hopps dabei. Amanda, was sagst du? Biermamsell, ja, mir Wurst, aber du kannst wenigstens küssen! Jawohl, Miezi, es ist noch etwas Leberwurst da, aber die Kohlen sind rein alle. Bete zu deiner Heiligen, und schaff sie ab, wenn sie uns keine Kohlen schickt. Swaantje, ich will meinen Kuß haben! Den hab ich kontraktlich. Och Chott, Mensch, das ist ja viel zu weit! schießt ja doch daneben! Bei meiner Beerdigung muß ich aber dabei sein, diesmal wenigstens. Christus sagst du? Bin mehr für Wode. Ist ja auch gleich. Meinetwegen Maria; ich denke dabei an Frigge. Importen mag ich nicht, bekommen nicht. Frigge hilft uns schon; bete zu ihr. Du sollst sehen, sie hilft dir. Frigge fügt Hand zu Hand, Mund zu Mund, Schoß zu Schoß. Gelobt sei Frigge!«

Er lächelte: »Mein Herz tanzt auf einer goldenen Wiese, und mein Mund läuft hinter dir her. Siehst du, jetzt bist du hingefallen. Na, weine man nicht; komm her, ich heb' dich auf!«

Er bewegte den Kopf in einem sanften Takte, als horche er auf eine ferne Melodie; dann fing er an zu summen, so seltsam, daß seine Frau ein Schauer schüttelte, denn die Singweise war aus Lust und Leid gewebt, mit Übermut durchwirkt und mit Verzweiflung besäumt.

»H' ach,« rief er dann, »h'ach du, du! Du hast es gesagt. Sagst: ich habe dir ja nichts gesagt!« Er lachte glücklich auf. »Du sagst, ich habe dir ja nichts gesagt! Habe dir ja nichts gesagt, nichts gesagt.« Er lachte belustigt: »Ich habe doch ein Gehör wie der Fuchs. Weiß schon Bescheid, weiß, was das heißt. An der Fährte spricht man den Hirsch an; das da ist sicher einer vom zwölften Kopfe. Und den will ich haben, oder ich will die Kunst nicht verstehen.«

Er schauerte zusammen; der Arzt zog ihm die Steppdecke bis unter das Kinn. Er flüsterte: »Danke, danke!« Er küßte in die Luft: »Ach wie schön warm! Das ist so lieb von dir, liebe Swaantje. So warm.« Er schnurrte wohlig: »Wie lange habe ich dich gesucht, wie lange, aber du hast die Fährte verwischt. Das ist sicher ein guter Bock. Gute Nacht, Herrschaften; ich gehe schlafen. Komm Annemie! Mädchen, du hast ja Swaantjes Kleid an! Nein, das geht nicht; ist dir ja viel zu lang. Sofort ausziehen, hörst du! Na, weine man nicht, behalt's an; bist ja doch die beste, die allerbeste!«

Frau Grete ging hinaus, kreidebleich im Gesichte; als sie wieder hereinkam, sah sie Hennecke an und schüttelte den Kopf. Der Kranke flüsterte: »Dein Herz ist von Gold, Swaantje, und du hast es an einer silbernen Kette unter den Spitzen auf deiner Brust. Das sieht doll aus, ganz doll.« Er schrie auf: »Wo bist du, Gotteswillen komm her!« Sein Kopf fiel auf die Seite, und er begann rasselnd zu schnarchen.

Der Arzt flüsterte: »Gehen Sie essen, ich bleibe so lange hier; er schläft. Das ist ein gutes Zeichen, ich habe Hoffnung.« Er zählte die Pulsschläge und nickte langsam. Dann lächelte er der Frau zu und zeigte mit dem Kopfe nach der Tür. »Erst etwas essen und dann ein bißchen hinlegen. Wir haben an einem Kranken genug. Hennecke, gehen Sie mit! Und daß es ja ganz stille im Hause ist.«

Als Frau Grete draußen war, sah sie Hennig an und flüsterte: »Behalten wir ihn wohl, lieber Freund?« Er nickte: »Ich glaube es; seine Indianernatur wird ihm durchhelfen. Aber nicht wahr, jetzt essen Sie ein bißchen?« Sie nickte müde.