Dazu kam er aber nicht, denn als er sie am Frühstückstische traf, sah sie nicht bleich und elend aus, wie er gefürchtet hatte, sondern eher froh und glücklicher, als in den letzten Wochen, und als sie abreiste, nickte sie ihm aus der Wagentür freundlich zu.

»Der Teufel soll aus den Frauenzimmern klug werden,« dachte er und kam sich wie ein dummer Junge vor, der eine kokette Abwehr ernst genommen hatte. Späterhin aber freute er sich des Mißerfolges. Was früher seine höchste Wonne gewesen wäre, nun wäre es besten Falles weiter nichts gewesen, als ein Vergnügen.

»Ich hätte nicht mehr davon gehabt, als wenn ich die Zunge zum Fenster hinausgehalten hätte,« dachte er, suchte einen bespannten Keilrahmen heraus und entwarf ein Bild von ihr.


Der Sarg

Es wurde ein wahrhaftiges Kunstwerk; es war so schön, daß er dachte: »Eine Liebeserklärung auf Leinewand!« Dann aber lächelte er und meinte zu sich: »Nicht ganz, eher das Gegenteil.«

Als er aber das Bild, bevor er es einpackte, noch einmal ansah, schien es ihm doch anders. Er setzte sich ihm gegenüber und sah ihm in die Augen, bis das weiße Mädchenangesicht, das hell und kühl aus dem Schatten des Kiefernwaldes hervordämmerte, zu lächeln begann und mit bittenden Lippen flüsterte.

»Meine Nonne,« dachte er, »warum liebte ich dich so sehr, ohne dich zu begehren? und begehrte dich, ohne dich zu lieben? Weil ich der einzige Mann bin, der dich aus deiner Nonnenhaftigkeit erlösen konnte, aus deinem eiskalten Alleinsein, dir ein Kind schenken, ein warmes Leben, damit du des Nachts nicht frierst, wenn du erwachst?«

Er dachte daran, daß alle Kinder Angst vor dem Mädchen hatten, oder wenigstens keine Zuneigung für sie, und daß kein Mann sie ansah, außer ihm selbst und Brüne. Und mit einem Male sah er den Freund, den einsamen, der keine Frau hatte, und der vielleicht nie eine Geliebte gehabt hatte, der zwischen seinen Büchern und Gemälden und Bildwerken das tote Leben des unfruchtbaren Ästheten führte, und erkannte, daß dieser Mann denselben unerfüllten Wunsch in den Augen hatte, wie Swaantje, und dasselbe hoffnungslose Bitten um die Lippen.