»Ordentlich kalt geworden,« sagte der eine, und schüttelte sich. »Da ist Grog gut für,« versetzte er und bestellte eine Runde; »aber nicht mit so viel Wasser, sonst wird er zu kräftig,« setzte er hinzu, und die Männer lachten. »Auf einem Glase kann man nicht gut stehen,« meinte er, als die Gläser leer waren, und eine zweite Runde kam, und dann die dritte.

»Haben Sie's große Loos gewonnen?« fragte der eine Bauer, der ein Gesicht hatte, als trüge er für gewöhnlich den Offiziersrock. »Jawollja,« rief der Maler, »aber ich habe es vor der Ziehung verloren. Das macht aber nichts. Herr Gastwirt, noch ein' Rundgang!«

Es kamen noch vier Gäste, die nach Ohlenwohle wollten, aber von dem Gewitterregen in den Krug gejagt waren, und nun wurde es ganz lustig, denn zwei davon kannte Helmold. Rundgesänge wurden angestimmt, und dazwischen Witze zum besten gegeben, daß der Saft bis an die Deckenbalken spritzte. So wurde es fast zwei Uhr, als er fühlte, daß er nichts mehr trinken durfte, wollte er sich in der Hand behalten. Es regnete immer noch, und es war so dunkel, daß er nicht daran denken konnte, zu fahren; so blieb er im Kruge.

Er schlief sofort ein, als er in dem Bette lag, und wachte erst auf, als die Uhr acht schlug. Frisch und munter kam er in die Gaststube, lachte den Wirt, der über Haarweh klagte, aus, aß tüchtig, trank einen großen Schnaps dazu, machte die Zeche glatt, steckte sich eine Zigarre an und fuhr mit leichtem Herzen davon.

Es war ein bildschöner Morgen. Am Himmel war keine einzige Wolke, die Sonne lachte, die Vögel sangen, was sie nur konnten. »Heute müßte Swaantje kommen, heute,« dachte er, während er durch die Pfützen sauste, daß das Wasser spritzte; »heute bin ich ein anderer Kerl!« Er kam sich gar nicht mehr so alt und kalt und abgestanden vor und stellte sich für sein gestriges Verhalten ein gutes Zeugnis aus. »Denn,« sagte er sich, »gestern litt ich an allgemeiner geistiger Körperschwäche und war wirklich nicht hochzeitsmäßig gekleidet.«

Dann dachte er, wie häßlich und dumm die äußeren Umstände waren, falls, ja, falls er Swaantje bei alle den deutlichen Worten genommen hätte, die sie nicht ausgesprochen hatte. Und er sah ein weißes Haus, das lag vor einem grünen Walde, in dem viele Nachtigallen schlugen, und oben in dem Hause war ein Zimmer mit roten Rosen auf den Fenstervorhängen, und in dem Zimmer standen zwei Betten nebeneinander, und weiter kam er nicht mit seinen Augen, konnte sich den Rest nur denken.

Er schleuderte seine Zigarre in den Graben; sie schmeckte ihm bitter, und er lachte sich selber aus, weil er einsah, daß er blanken Blödsinn gedacht hatte. »Wenn du sie liebtest, mein Lieber,« so spöttelte er, »dann wäre es dir gleich, ob das Haus weiß oder eselgrau wäre, und ob es im Walde stände oder zwischen Straßenbahngeleisen. Du würdest dann überhaupt nicht denken; nein, so unkeusch wärest du nicht; handeln würdest du. Du liebst ja Swaantje gar nicht mehr; Swaantje ist tot. Du hast sie in den Sarg gelegt, und den hast du zugenagelt und als Eilgut zur Eisenbahn geschickt, samt deiner Liebe; das, was du dafür hältst, das ist das Gespenst deiner Liebe, das auf dem Kirchhofe herumspukt und dein totes Herz beunruhigt. Streue Kümmelsamen hinter dich, damit der Spuk zurückbleiben muß!«

Er nickte; es war so. Er sah sich in seiner Werkstatt stehen und Swaantjes Bildnis in einen Sarg betten, in einen flachen Sarg, der aus weißen Brettern zusammengeschlagen war; und ein Dienstmann mit roter Nase holte ihn ab, legte ihn auf einen Karren und fuhr ihn fort, den Sarg, Swaantje und Helmolds heiße Liebe zu ihr.

Einst hatte er um Swaantje geweint; nun galten seine Seufzer seiner toten Liebe.