Als er abends mit Hennecke im Jagdhause vor dem Kamin saß, wunderte er sich, wie stumpf er geworden war. »Sehe ich sehr alt aus, Hennig?« fragte er ihn. »Du alt?« erwiderte der lachend: »Mann in den besten Jahren! Ordentlich heiratsfähig siehst du aus!«
Helmold aber dachte: »Das ist bloß äußerlich; mein Herz wird immer knickebeiniger.«
Nachspuk
Die Brennhexe lag im Moore und schlief; da kam der Südwestwind angegangen und kitzelte sie mit einem Grashalme in der Nase, so daß sie niesen mußte, und davon wachte sie auf.
Sie gähnte, reckte sich, schüttelte ihre Röcke zurecht, klopfte die Schürze glatt, lächelte, wiegte den Kopf hin und her und begann zu tanzen, daß der feuerrote Rock und die gelbe Schürze wie Flammen leuchteten.
Da sah sie dort, wo zwischen den Birkenbüschen Wasser blitzte, einen hellen Fleck, und das war ein menschliches Angesicht, und es gehörte zu einem Manne im grünen Rocke, der mit der Büchse auf dem Rücken langsam dahinging.
»He du!« rief die Brennhexe und winkte ihm, aber Helmold Hagenrieder hörte nicht. Er blickte gerade aus, denn er sah einen mit Kienruß schwarz gemachten Sarg, und darin ein weißes Gesicht, und zwei wachsgelbe Hände, die einen Rosmarinstrauch hielten, Hände, die ihn so manche Nacht lieb gehabt hatten, wenn er des Stadtlebens müde und des Malens satt, in dem Strohdachhause unter dem Osterhohl eingekehrt war.
Es war keine Trauer in ihm, sondern nur ein Mitleid mit sich selber, daß er jetzt niemand mehr hatte, dem er sagen konnte, daß sein Herz unter der Erde läge, unter einem Hügel, auf dem ein Brett stände mit der Inschrift: »Es ruhe in Unfrieden.«