Als er über den Knüppeldamm ritt, standen an die hundert Störche im Bruche: »Auch nicht schlecht!« dachte er wieder.

In den Wiesen sah er einen Hasen von links nach rechts laufen. »Heute geht nichts verkehrt,« sagte er laut und ritt im Galopp den Sommerweg entlang, daß es nur so mülmte, und als drei Handwerksburschen ihn um einen Zehrpfennig angingen, gab er ihnen einen heilen Gulden.

Er machte runde Augen, als er auf dem Dieshofe ankam. Der Hof sah schnicker und ordentlich aus. Ueber der Einfahrt war ein Spruchbrett und darauf stand: »Deinen Eintritt segne Gott,« und auf dem Torbalken war zu lesen: »Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.« Auf der Deele wurde ein geistliches Lied gesungen.

Als Hehlmann vom Pferde stieg, hörte das Singen auf und der Diesbauer ging auf ihn zu. Hehlmann wußte nicht recht, was er sagen sollte. Er hatte Dettmer früher etliche Male gesehen, und obzwar er damals selber kein leeres und kein volles Glas sehen konnte, einen Säufer mochte er darum doch nicht leiden. Dieser Mann hier aber war ein anderer geworden.

Es wurde erst über das Wetter und die Ernte geschnackt, und dann sagte Hehlmann, er müßte Meta sprechen, denn alle die Jahre habe er ganz vergessen, daß sie von seinem Vater in dem Testamente mit einer Stiftung bedacht war, und davon wollte er ihr die Abschrift bringen.

»Ja, Meta ist nicht inne,« sagte die Bäuerin, »sie ist nach Brinkmanns gegangen; da ist die Frau zu liegen gekommen. Auf das versteht sie sich; ohne sie kröppelte ich heute noch zwischen Bett und Stuhl herum.«

Der Diesbauer sah sie ernst an: »Sie war bloß ein Werkzeug des Herrn; ihm allein gebührt der Dank.«

Hehlmann fragte, wann sie zurückkommen wollte, und als er hörte, daß das nicht bestimmt wäre, ließ er sich den Weg zeigen und ging ihr entgegen.

Als er in den hohen Fuhren war, wurde ihm das Herz schwer; Jahre lagen jetzt zwischen ihnen. Mai war es, als er sie im Grasgarten in den Arm nahm, und die weißen Lilien blühten, und jetzt waren die Krammetsvögel in den Ebereschen zu Gange.

Sein ganzes Leben ging an ihm vorbei; es hatte ihm nicht viel Gutes gebracht und wer weiß, was ihm noch bevorstand. Die Mädchen freiten wohl bald; dann war er allein und ging als alter Mann auf dem Hofe herum und war jedem im Wege.