Das Mädchen hatte Sorgen. Ihr Bruder war aus der Vormundschaft heraus und fand sich ohne Frau auf seinem großen Hofe nicht zurecht.

Er kam so oft, bis Meta nicht anders konnte und ihm zusagen mußte, einige Wochen zu ihm zu ziehen. Sie tat es mit schwerem Herzen, aber sie durfte ihren leiblichen Bruder nicht im Stiche lassen, meinte sie.

Nun wurde es noch stiller auf dem Hehlenhofe; es ging alles nach der Reihe, weil eine ältliche Witwe vor der Hand die Wirtschaft führte, aber es fehlte die Sonne.

Der Bauer sprach nur das Nötigste; seitdem die Frau tot war, wurde er immer kleiner und lachen hatte ihn kein Mensch mehr gesehen.

Göde fror, wenn er über die Deele ging, wo es so still war, wie in einer leeren Kirche. So lange er Arbeit hatte, hielt er es noch aus, aber abends wurde es ihm unheimlich zu Sinne und ab und zu ging er nach dem Krug, wo er doch wieder eine laute Stimme und ein Lachen zu hören bekam.

So ging der Sommer hin und der Herbst kam. Der Bauer fiel immer mehr ab und hustete Tag und Nacht.

Einmal, als sie beide allein beim Feuer saßen, hatte er gesagt: »Meta bleibt aber lange fort.« Göde antwortete: »Ja, sie kann noch nicht abkommen, hat sie mich wissen lassen. Es ist da eine Luderwirtschaft auf dem Hofe gewesen. Und ihr Bruder geht ihr doch vor.«

Der Vater hatte ihn angesehen: »Ich meine, ihr seid so gut wie Mann und Frau. Und hier muß eine Frau hin, meine ich. Das ist nichts für einen jungen Kerl, das einschichtige Leben; davon wird das Geblüt hart. Wenn Meta hier wäre, würdest du nicht so oft nach dem Kruge gehen.«

Der Sohn nickte: »Wohl möglich, Vadder,« und von da ab war er nicht mehr nach dem Dorfe gegangen, außer wenn es ganz nötig war. Er lebte stumpf vor sich hin und ging ab und zu auf die Jagd.

Wenn er an Meta dachte, dann war es ihm selbst verwunderlich, wie wenig bange ihm nach ihr war, vorzüglich, wenn er bedachte, wie glücklich er mit ihr gewesen war, ehe daß die Mutter fortstarb.