Diese Magd war hungriger Leute Kind, aber ein Bild von Mensch. Wenn sie mit hochgesteckten Röcken nach den Ställen ging, mußte der Bauer hinter ihr hersehen.
Und sie sah hinter ihm her. Es war kein Mann auf dem Hofe, der gegen ihn aufkam. Der erste Knecht war versprochen, der zweite gehörte zu den Stillen im Lande und sah an jedem Kleiderrock vorbei; die Kleinknechte zählten nicht mit.
Anna hieß das Mädchen, und sie hatte eine schöne Stimme. Wo sie ging und stand, sang sie, und der Bauer hörte es gern. Sie hatte das bald spitz, und sang nun noch mehr, mehrstens Liebeslieder, und wenn sie dem Bauern einen Blick zuwarf, dann war das, als wenn sie sagte: »Merkst du was?«
Hehlmann aber biß die Zähne zusammen; er wollte keine neuen Heimlichkeiten, er hatte ganz genug an den alten; so wurde er von Tag zu Tag patziger zu ihr. Sie aber blieb sich gleich und war immer freundlich zu ihm, und wenn er es sich auch nicht eingestehen wollte, es tat ihm doch gut, wenn sie ihn anlachte, denn trotz allem: er war doch noch ein junger Kerl und die Bäuerin war wie Torfwasser für den Durst.
Er war aber immer gut zu ihr, denn sie tat ihm leid, und er sah, daß sie alles tat, um ihm zu gefallen; sogar mit Durtjen hatte sie sich zu stellen gewußt und die war froh, daß es jetzt sinnig auf dem Hofe zuging.
»Hermen, du Stoffel,« sagte sie und stieß ihren Mann in die Rippen, daß er vor Angst an zu lachen fing; »du weißt gar nicht, wie gut du es hast, daß ich dich genommen habe. Denk' mal bloß, du wärest der Bauer und hättest diese Frau! Sie gibt sich ja alle Mühe, aber man kann nicht recht froh darüber werden. Es ist ein Kreuz und ein Elend, daß Meta damals hier wegmußte.«
Die war nicht wieder auf dem Hehlenhofe gewesen; Durtjen hatte sie noch einmal besucht und sie wohl und munter angetroffen. Sie hatte das Leit in die Hände genommen und ihre Schwägerin, die immer noch nicht so ganz in die Reihe kommen wollte, war es zufrieden, und der Bauer war froh, daß Meta das Regiment führte. Von früh bis spät war sie im Gange: sie sorgte für das Vieh und nahm sich der Kinder an; bei der Arbeit war sie über ihre Gedanken weggekommen und war wieder so hübsch, wie früher; bloß ein bißchen voller war sie geworden.
Von Hehlmann hörte sie selten, und was sie hörte, war nicht danach, daß sie Freude daran hatte. Sie wußte, daß er viel im Piewittskruge verkehrte, und das war keine Wirtschaft, in die ein ordentlicher Mann hingehörte; dann hatte sie auch vernommen, daß er zu viel auf die Jagd gehen sollte und oft mehr trank, als es gut war; und mit den Karten befaßte er sich auch.
Einmal hatte sie seine Frau gesehen, und da wurde es ihr klar, warum ihr Göde, wie sie ihn bei sich immer noch nannte, auf die Rutschbahn gekommen war. »Freude kann er an der Frau nicht haben,« dachte sie; »vorzüglich, wo er noch nicht mal einen Erben von ihr hat.«
Hehlmann aber hatte sich an Trina gewöhnt. Die beiden Kinder gediehen, aber da es keine Jungens waren, kümmerte er sich wenig darum.