Er sah die Männer der Reihe nach an und plinkte dem einen oder anderen, der ihm blanke Augen machte, besonders zu. »Eins aber, meine lieben Freunde,« ging er weiter in seiner Rede, »das drückte uns doch dabei. Was wir taten, mußten wir tun, aber es war uns nicht nach der Mütze, daß wir es ohne die Erlaubnis unseres Herrn Herzogs,« er nahm den Hut ab und alle taten es ihm nach, »tun mußten. Von heute ab,« und er sprach heller und lachte dabei, »ist das anders, denn unser lieber Herr Herzog, den Gott erhalten möge, hat uns wissen lassen, wir sollen zusehen, daß wir uns so gut wehren sollen, wie wir irgend können, und alle Hundsfötter, die hier nicht hergehören, totschießen wie tolle Hunde.«

Er lachte, daß man seine großen Zähne sah: »Na, an uns soll es nicht fehlen, daß unser Herr Herzog seinen Willen kriegt! Lieber wäre es uns ja, wir könnten so leben wie früher, unsere Arbeit in Frieden tun und Gott loben. Aber das ist nun einmal nicht anders und darum sage ich euch: was nicht hierher gehört, was im Lande herumzieht und raubt und stiehlt, was Menschen schindet und Häuser ansteckt, das ist Raubzeug und muß auch so behandelt werden. Schimpf um Schimpf, Schlag um Schlag, Blut um Blut, daran wollen wir festhalten, auf daß es uns gut geht und wir lange leben auf Erden!«

Er wischte sich den Schweiß aus dem Gesichte und schloß: »So, nun wißt ihr, wie ihr dran seid. Und ich denke, meine lieben Freunde, es ist nicht mehr als recht, wenn ich euch bitte, es mir nachzutun,« und dabei nahm er seinen Hut ab, hielt ihn hoch und schrie: »Lang lebe unser Herzog Christian, unser allergnädigster Herr!«

Die Krähen, die über das Bruch flogen, schwenkten zur Seite, so schrien die Männer. Alle hatten sie blanke Augen, als sie zu Drewes gingen und ihm sagten: »Drewsbur, das war aber eine Rede! Besser kann es unser Herr Pastor nicht.« Aber dann horchten sie wieder auf, denn die Wiekenberger erzählten, daß es überall von Kriegsvölkern wimmelte, von Dänen und Ligisten und von Mansfeldern und Braunschweigern, die der Tilly und der Waldstein hin und her jagten wie der Hund die Hühner, und die es mit Brennen und Morden schlimmer trieben als vorher.

Was eigentlich los war, wußte so recht keiner. Der eine sagte: »Die Dänen wollen uns das Land nehmen,« die anderen: »Nein, es ist, daß wir wieder papistisch werden sollen,« und etliche meinten, der Kaiser hätte da nichts mit zu tun, der lebe da unten und frage den Teufel danach, was anderswo vor sich gehe. Der Waldstein und der Tilly wollten sich bloß bereichern an Land und Bargeld; darauf laufe alles hinaus.

Der Wulfsbauer hatte wohl gefunden, daß Drewes ganz ausgezeichnet geredet hatte und daß er in allem recht hatte, aber so ganz war er nicht bei der Sache; er dachte an seine Frau und die Kinder und daß es bei Kleinem Zeit für ihn würde, nach Hause zu reiten, damit er es nicht verpasse, wenn die Kröten zu Bette gebracht würden. Er mußte lachen, wenn er daran dachte, wie Hermken ihn nach dem Mittag so bei den Ohren gerissen hatte, daß es ordentlich weh tat.

Er ritt mit Klaus Hennecke, dem Sohne des Vorstehers, nach Hause. Die Luft war weich und warm; die Kiebitze riefen im Grunde und in der Höhe meldeten sich die Regenpfeifer.

Klaus fing endlich zu reden an: »Mit unserem Vater wird es immer schlimmer; er liegt jetzt schon die achte Woche. Ich glaube, dieses Mal kommt er nicht wieder durch!« Er sah über das Bruch. »Kiek, was ist denn das da für eine putzwunderliche Wolke über Ödringen? I, das sieht ja meist wie Rauch aus! Aber es ist doch wohl bloß eine Wolke.«

Der Ansicht war Harm auch; aber als sie den Bogen um die Torfkuhlen machten und unter den Wind kamen, prusteten beide Pferde auf einmal los und wurden unruhig, so daß die beiden Bauern meinten, sie witterten einen Wolf. Als sie aber ein Ende weiter waren, hielt Hennecke an, schnüffelte und meinte: »Das riecht gewiß und wahrhaftig nach Rauch! Am Ende haben die Lörke von Hütejungens wieder einen Unsinn angestellt.« Harm mußte ihm recht geben, denn es roch nach Rauch, aber er dachte sich weiter nichts dabei.

Zuletzt rochen sie aber nichts mehr, denn der Wind ging unter dem Holze anders. So wie sie aber in der hohen Haide waren, roch es wieder stärker, und als sie die krausen Fuhren hinter sich hatten und oben auf dem [Anberge] waren, schrien sie wie aus einem Munde: »O Gotte!« Denn da, wo Ödringen lag, war die ganze Luft schwarz.