Sie sahen sich an; einer sah so käsig aus wie der andere. Ohne ein Wort zu sagen, ließen sie die Pferde schneller laufen. Der Brandgeruch wurde immer schlimmer, und was ihnen noch schwerer auf das Herz fiel, das war, daß das Grummet auf den Wiesen noch genau so lag, wie nach dem Mittag, als sie vorbeigeritten waren. Sie jagten, was die Pferde hergeben wollten, und als sie aus dem Walde kamen, hielten sie und zitterten am ganzen Leibe. Vor ihnen auf dem Wege lag der Kuhhirt tot auf dem Rücken und sein Hund schnüffelte an ihm herum.

Sie sprangen ab und sahen sich Tönnes an; er hatte einen Schnitt über den ganzen Hals. Sie zogen ihn beiseite und dann horchten sie nach dem Dorfe hin. Da war es ganz still, nur die [Kahkrähen] lärmten über den Eichen. Sie gingen Schritt für Schritt näher, die eine Hand am Messer und die andere am Zügel. Im Wege lag eine zerbrochene Steingutflasche, wie sie im Dorfe keiner hatte. Weiterhin fanden sie einen blutigen Lappen und daneben ein Stück Wurst. Sie hielten an und horchten: Nichts war zu hören, keine menschliche Stimme war zu vernehmen, kein Stück Vieh brüllte, kein Hahn gackerte, kein Hund bellte.

So kamen sie an den Reinkenhof. Der stand noch, aber die Fenster waren eingeschlagen, die Türen standen offen, Bettfedern lagen überall verstreut und Stroh und Heu und Hafer. Im Hause war alles kurz und klein geschlagen. Im Flett ging die gelbbunte Katze umher und quarrte gottsjämmerlich. Die [Dönze] sah aus als wie ein Schweinestall; voller Unrat war sie. Kein Stuhl war mehr heil, kein Teller mehr ganz. Im Grasgarten lagen der Kopf und die Beine und die Kaldaunen von einem rotbunten Kalbe und daneben das Spinnrad, aber in lauter Stücken.

Klaus und Harm sprachen kein Wort. Sie kamen nach Hingstmanns Hof. Da sah es genau so aus, nur daß quer über der [Deele] der Hütejunge tot dalag; er hatte ein tiefes Loch in der Stirn. Bei Mertens war es nicht anders und auf dem Henkenhofe desgleichen, bloß daß da wenigstens keine Leiche zu finden war. Auch auf den anderen Höfen war geplündert und alles entzweigeschlagen, aber die Bauern schienen rechtzeitig Wind bekommen zu haben, so daß sie sich hatten bergen können.

Mit einem Male sah sich der Wulfsbauer wild um und rief: »Ja, aber wo brennt es denn? Heiliger Gott!« Er saß auf und jagte davon und hinter ihm her jagte Klaus Hennecke. Quer durch die Haide ritten sie, und je weiter sie kamen, um so mehr roch es nach Rauch, und dann hielt Harm Wulf an und sprang ab und machte ein Gesicht, als ob er losweinen wollte und sah dahin, wo sein Hof gestanden hatte, denn da war alles ein Rauch und ein Qualm, bloß daß hier und da eine Flamme zu sehen war.

»Wawawas ist dededenn dadas?« stotterte er. Ihm war, als ob er kein bißchen Kraft mehr in den Beinen hatte, so daß er Klaus an den Arm fassen mußte. Und dann schrie er: »Rose, Rose!« Er lief um die Brandstätte herum, in den Grasgarten hinein, sah in den [Sod], kletterte auf den brennenden Balken hin und her, sah gegen Himmel, schüttelte den Kopf und sagte mit einem Lachen, bei dem es Hennecke kalt überlief: »In der Burg, sie wird in der Burg sein!«

Klaus nickte: »Ja, das glaube ich auch. Da werden sie wohl alle miteinander hin sein und das Vieh auch. Und der Junge von Hingstmanns und Tönnes, die werden allein noch draußen gewesen sein, und da mußte es ihnen so gehen. Wollen nach der Burg gehen, und wenn sie da nicht sind, dann müssen wir, ja, am besten ist es wohl, wir reiten dann zuerst nach Engensen; auf dem Drewshofe kriegen wir am ersten Bescheid.«

Sie saßen auf und ritten über die Haide und durch die Fuhren und von da in das Bruch hinein. Es [schummerte] schon, als sie dort ankamen; der Uhu flog über sie hinweg und als er im Walde war, schrie er hohl. Der Nebel stand dick hinter den Torfstichen, in der Luft klingelten die Enten und in den Wiesen schreckten die Rehe.

Keiner sprach ein Wort; ab und zu hielten sie an und horchten dahin, wo der alte Burgwall lag, und dann sahen sie wieder vor sich auf den Weg, dem man es anmerkte, daß Menschen und Vieh frisch darauf gegangen waren. In der [Wohld] war es so duster, daß sie absteigen mußten. Hin und her ging es, bald nach rechts, dann geradeaus, dann halb links und so in einem fort. Ab und zu polterte eine Taube vor ihnen weg, oder ein Stück Wild brach durch das Holz. Dann blieben sie stehen und horchten. Aber immer und immer hörten sie keine Stimme und kein Kuhgebrüll.

Endlich war es ihnen, als ob sie ein Licht vor sich sahen, und als sie stehen blieben, hörten sie, daß ihnen gegenüber ein Stück Vieh am Brüllen war. Dann knackte ein Büchsenhahn und hinterher noch einer, und eine Stimme, es war die des jungen Bolle, rief ihnen halblaut zu: »Wer da?« Harm flüsterte ihm zu: »Wir sind es, Harm und Klaus. Wo ist meine Frau?«