[Atze] Bolle würgte, als er etwas im Halse hatte, und brummte dann: »Komm man erst nach der Burg! Ich habe hier Wache und weiß nicht, wer alles da ist. Es ging ja Hals über Kopf heute, denn wir mußten machen, daß uns das Gesindel nicht kriegte. Aber Ulenvater, den habe ich vorhin gesehen, ehe daß ich wegging.«

»Na, was ist denn das?« meinte er, als etwas Schwarzes an ihm vorbeisprang. Es war Harms Hund. Er stellte sich wie unklug an, bellte und jaulte durcheinander, sprang an dem Bauern in die Höhe, leckte ihm die Hände, lief vor und bellte, kam wieder zurück und mit einem Male setzte er sich hin und heulte so schrecklich, daß Bolle rief: »Ruhig, [Teebe]

Der erste Mensch, den Wulf sah, als er in den Wall kam, war die Reinkenbäuerin. So wie sie ihn zu Gesichte bekam, schrie sie auf: »O Gotte, Wulfsbur!« und dann fing sie an zu weinen. »Was ist?« schrie Harm, »wo ist Rose?« Aber die Frau weinte, daß es sie stieß, und brachte kein Wort heraus.

Harm sah hin und her, aber wo er einen Menschen ansah, der ging schnell zurück. Endlich fand er seinen Schwiegervater. »Wo ist Rose?« brachte er eben noch heraus, denn er war ganz heiser vor Angst. Der alte Mann hatte ein Gesicht, als wäre er aus dem Grabe genommen. »Ja, Junge,« sagte er und faßte Harm an beide Hände, »ja, Junge,« und dabei fing er bitterlich an zu weinen, »unsere Rose ist bei unserem Herrgott!«

Harm machte eine Bewegung, als wollte er ihm an den Hals springen: »Was sagst du? tot?« Er fing an zu lachen. »Das ist ja, das kann ja, aber so rede doch, kein einer sagt mir, wo Rose ist!« Und dann rief er mit einer Stimme, die sich anhörte, als ob sie zersprungen war, durch den ganzen Wall: »Rose, Rose, wo bist du?«

Neben ihm stand Hingstmann: »Ruhig, Mensch, Renneckenvater liegt im Sterben. Und die Horstmannsche hat vor Aufregung etwas Lüttjes gekriegt und es geht ihr nicht gut.« Er hielt ihm die Flasche hin: »Trink erst mal!« Aber Wulf stieß ihn zurück: »Ich will wissen, was mit meiner Frau los ist, will ich wissen! Und wo sind die Kinder? Mein Hermken und das Lüttje? Kinder und Leute, so tut doch endlich einer das Maul auf!«

Es kamen noch zwei Bauern. »Ja, einmal muß er es doch wissen,« sagte Mertens. Er legte ihm die Hand auf die Schulter: »Ja, Harm, was hilft das alles? Deine liebe Frau ist nicht mehr am Leben; sie ist im Hause geblieben. Und die Kinder auch. Und dein Vater auch und der eine Knecht und ebenso die beiden Mädchen. Weiß der Teufel, wie die beistigen Hunde zu allererst nach dir hingefunden haben, wo dein Hof doch so ablegen ist?«

Harm sah von einem zum anderen; er sah aus wie ein Kind, das sich vor dem Hunde nicht von der Stelle traut. Seine Hände gingen an seinen Hosen auf und ab, seine Lippen [beberten], der kalte Schweiß stand ihm vor der Stirn; jeder konnte hören, wie ihm das Herz im Leibe arbeitete und wie ihm die Luft nicht zum Halse herauswollte. Endlich quälte er heraus: »Ja, sind sie verbrannt, oder was ist?«

Die Männer sahen weg, schließlich sagte Horstmann: »Wir wissen da alle weiter nichts von. Der einzigste Mensch, der am Leben geblieben ist, das ist [Thedel]. Aber der ist ja wohl ganz von Sinnen geworden; der sitzt da hinten beim Feuer und [grient] und sieht in einem fort das Messer an, das er in der Hand hat.«

Harm stürzte mehr, als er ging, dahin, wo er den Knecht sitzen sah. Als er vor ihm stand, lachte der ihm in das Gesicht und wies ihm das Messer; aber mit einem Male ließ er es fallen, schlug beide Hände vor den Kopf und heulte los. Der Bauer schüttelte ihn. »Junge, denn sag' du es mir doch, was sich nun eigentlich begeben hat! Kein einer Mensch will was davon wissen.« Er setzte sich neben ihn und legte ihm die Hand über den Hals. »Nun los!« befahl er.