Der Knecht sah ihn zuerst an, als ob er ihn noch kein eines Mal gesehen hatte, und dann fing er an: »Sie sind alle tot, alle miteinander. Die Frau ist tot und Hinnerk ist tot und Hermken ist tot und das Lüttje auch und Trina ist tot und der [Altvater] ist tot und meine Schwester Alheid ist auch tot. Alle sind tot, bloß ich nicht. Ich war im Busche Holz machen und vor dem Hauen habe ich nichts gehört, als bis daß es zu spät war, denn sie sind aus dem Bruche gekommen.«
Sehr viel konnte er auch nicht erzählen, denn das meiste war schon vorüber, als er zurückkam. Aber das wenige, was er gesehen hatte, das war so, daß er von dem Bauern abrücken mußte, denn der hatte ein Gesicht und ein paar Augen darin, daß es ihm kalt im Genick wurde. Aber der Bauer sagte: »Weiter, man weiter, ich will alles wissen,« und nur ab und zu stöhnte er oder schnatterte mit dem Munde, daß Thedel seine Zähne klappern hörte.
Als er alles aus ihm heraus hatte, sagte er: »Ja, Thedel, ich und du, das ist nun der ganze Wulfshof. Was willst du jetzt machen? Willst du einen anderen Dienst annehmen oder willst du bei mir bleiben? Denn, versteh mich recht, Bauer will ich jetzt nicht mehr spielen; wo der Teufel geerntet hat, habe ich keine Lusten mehr, zu pflügen und zu säen. Aber,« setzte er nach einer kleinen Weile zu, »wo sind die Mordbrenner denn hin?«
Der Junge zuckte die Achseln. »Quer über die Haide sind sie und bei der Schirmfuhre haben sie sich geteilt. Was die Tatern sind, die sind auf Berghof zu, und die anderen, die mögen wohl nach Celle hin sein, denn da wollten sie hin, hat mir der Mann gesagt.«
»Welcher Mann?« fuhr ihm der Bauer dazwischen. Der Junge grieflachte abscheulich. »Der sich an deinem Honigbier so scheußlich besoffen hat, daß er nicht aus der Stelle konnte und in der Haide liegen blieb und schlief.«
»Na, und wo ist er jetzt?« fuhr es Wulf heraus. »Der mag da wohl noch liegen,« [griente] der Knecht. »Wieso noch liegen?« fragte der Bauer weiter. Der andere lachte über das ganze Gesicht: »Na, weil ich ihm, als er wie ein Faß dalag, die Hände und die Füße zusammengebunden habe und denn auch, weil er, als er sich vernüchtert hatte und ich aus ihm heraus hatte, was ich wissen wollte, wohl nicht viel Leben in sich behalten hat.«
Der Bauer lachte böse: »Was hast du mit ihm angefangen, Thedel?« Und sein Lachen wurde noch tückischer, als der Knecht ihm das Messer wies und ihm erzählte, was er mit dem Manne gemacht hatte. »Denn,« sagte er, »es war der Schlimmsten einer. Gerade der ist es gewesen, der meine Schwester umgebracht hat, er und das heilige Kreuz und der Säugling. Und die müssen auch noch daran, sage ich, oder ich will keinen seligen Tod haben!«
Der Bauer sah ihn dumm an: »Heiliges Kreuz? Säugling? Was heißt das?« Thedel erzählte: »Als meist alles vorbei war und die mehrsten besoffen waren wie die Schweine, bin ich auf allen vieren hinter dem Hagen hergekrochen und da sah ich einen Kerl, der war so lang, wie ich noch keinen Menschen gesehen habe, und der hatte einen ganz kleinen Kopf wie ein Kind und auch genau solche Stimme, wenn er das Maul auftat, und keinen Bart hatte er auch nicht, und zu dem sagten sie Säugling. Und der andere, der war so kurz und dick wie ein Krautfaß, und er hatte einen fuchsigen Knebelbart und zwei Narben im Gesicht, so dick wie ein Finger und so rot wie ein Hahnenkamm, die eine von der Stirn bis in das Maul und die andere von einem Ohr bis an das andere, just so, daß es wie ein Kreuz aussah, und deswegen schimpften sie ihn wohl auch Heiliges Kreuz.«
Er sah vor sich hin: »Die beiden haben meine Schwester hingemartert; ich habe es gehört, wie sie darüber ihre Witze machten, die beiden und der andere, der besoffen in der Haide liegen blieb. Na, dem habe ich es besorgt! Ich hatte ihm das Maul zugestoppt, denn ich dachte: wenn er an zu [bölken] fängt und die anderen hören es, dann läufst du am Ende dumm an. Die beiden anderen haben noch eine ganze Weile hinter ihm hergeflötjet, bis es ihnen zu langweilig geworden ist. Ich bin bloß neugierig, ob er morgen früh noch am Leben ist!«
Mitten im Reden schlief er ein. Der Bauer deckte ihm einen Mantel über und dabei sah er, daß der Knecht so ruhig schlief, wie immer. Er mußte noch oft hinsehen; wie ein Kind, das keiner Fliege wehtun konnte, sah er aus. Er war der einzige Mensch im ganzen Dorfe, der es nicht mit ansehen konnte, wenn ein Schwein geschlachtet wurde, und dabei hatte er den Mordbrenner geschunden, wie der Henkersknecht einen armen Sünder.