Der Obmann sah sich um: »Ist einer da, der noch etwas vorzubringen hat gegen diese Männer oder der für sie ein Wort einlegen will? Hier darf ein jeder frei reden, ohne daß es ihm nachgetragen wird.«
Es wurde ganz still in der Runde. Die Sonne kam heraus und beschien die zweihundert Gesichter der Männer; sie waren alle wie aus Stein. Eine Krähe flog vorbei und quarrte, und in den krausen Fuhren lockten lustig die Meisen.
Die dreimal elf Unterobmänner sonderten sich ab und murmelten durcheinander; dann ging einer von ihnen zu dem Oberobmann hin und sagte ihm etwas.
»Dennso haben wir befunden,« sprach der Richter, »daß sie beide um ihre Hälse eine [Wiede] haben sollen und aufgehängt werden sollen sieben Schuh höher, denn ein gemeiner Schandkerl, und zwischen den Äsern von einem verreckten Köter und einer gefallenen Sau bis sie tot sind, und es soll sich keiner getrauen und sie abnehmen und bestatten, wenn es ihn nicht gelüstet, an ihre Stelle zu kommen!«
Er brach den einen Stock und warf ihn hinter sich und den anderen und gab die [Wieden] hin, und da fiel der Säugling auf die Knie und schrie: »Erbarm',« denn weiter kam er nicht, weil er die Wiede schon über dem Adamsapfel hatte, und das Heilige Kreuz hatte knapp gewimmert: »Noch einen Augenblick, mir ist so schlecht!« da stand er schon mit der weidenen Krause um die [Strosse] zwischen den dreimal elf Männern unter der Feldglocke; ehe die Krähe dreimal geschrien hatte, schwenkte der Wind sie hin und her, und dazu das Brett, das ihnen zwischen die Hände gebunden war und auf dem zu lesen stand: »Wir Sind di Wölwe 1 Hundert und Elwe. Dis sind 2 Hunde und 2 Schweine. Sie Sind ganz obereine.«
Der Steinkreis wurde geschlossen. Die Männer gingen weg. Der Wulfsbauer hatte das Kinn auf der Brust. Thedel sah noch einmal zurück und Viekenludolf sagte, indem er nach dem Galgen hinwies: »Kiek, Thedel, deine Hochzeitsglocken läuten!« Aber Thedel antwortete nicht und ging hinter Wulf her.
Als sie beide durch die Fuhren ritten, sagte der Bauer: »So, und nun wollen wir da nicht mehr dran denken, Thedel! Wannehr willst du freien? Am liebsten wohl gleich heute? Na, von mir aus kann es losgehen; bringe man alles in die Reihe! Oder hast du das all?« Er sah sich um und lachte, denn der Knecht hatte die Sonne im Nacken und deswegen waren seine Ohren so rot anzusehen, wie an dem Morgen in der Jeverser Haide, als Grieptoo das Mädchen fand.
»Und jetzt, Galopp, Buntscheck!« rief Harm seinem Pferde zu, und sie flitzten dahin, daß die [Plaggen] nur so flogen und die [Tüten] hinter ihnen herschimpften. Der Bauer dachte an seine Johanna und der Knecht an seine Hille, und eine Stunde später standen die Pferde vor den Krippen.
Am anderen Tage hatte der Bauer blanke Augen und sein Knecht erst recht. Sie fuhren nach der Wüste, denn sie wollten da junge Obstbäume, und was da noch zu gebrauchen war für den Garten, ausgraben. Als Wulf sich über Mittag hinter einem Busche die Augen wärmte, stöberte Thedel in dem Schutt herum. Er fand allerlei Geschirr, das noch gut zu gebrauchen war, desgleichen Äxte und anderes Gerät, und als er die schwarzen Balken fortzog, auf denen schon allerlei Moos wuchs, schlug er mit der Hacke auf Eisen. Er hatte den Kesselhaken des Wulfshofes gefunden, ein Prachtstück, wie es weit und breit kein zweites gab, auf dem oben am Kopfe die Wolfsangel, die Hausmarke der Wulfsbauern, eingehauen war; darunter aber stand zu lesen: Ao 1111 Do.
»Das ist mehr wert, als wenn du hundert Taler in Gold gefunden hast, Thedel,« sagte der Bauer, »und dafür will ich dir ein Haus hinstellen mit allem, was dazu gehört. Denn ich will dir etwas sagen: Knecht bist du jetzt lange genug bei mir gewesen. Wenn du mir in der Folge in der [hillen] Zeit mit deiner Frau helfen willst gegen das übliche Lohn, so bin ich das sehr zufrieden. Ich habe mir das aber nämlich lange überdacht: geradeso, wie ich nicht der Lehnsmann des Edelherrn sein will, sollst du auch nicht mein Hausmann sein. Du bist mir mehr als ein getreuer Knecht gewesen diese schlimmen Jahre über, und es ist nicht mehr als recht, daß du jetzt dein eigener Herr wirst, vorausgesetzt, daß du vor deiner Hille die Hosen zu wahren weißt.«