Thedel brummte etwas vor sich hin, als wenn ihm der Bauer das Bett vor den Hof gestellt hätte, aber als er ausgespannt hatte, konnte er gar nicht schnell genug nach seinem Mädchen kommen, und als er zurückkam, da flötete er wie unklug. Dann setzte er sich hin und scheuerte mit Wasser und Asche den alten Kesselhaken ab und hatte nicht eher Ruhe, als bis er da hing, wo er hingehörte.

Dann aber griff er die Arbeit an, wie der Fuchs den Hasen, und obzwar der Bauer nicht wußte, wo der Knecht die Zeit zum Essen und Schlafen hernahm, so wurde Thedel mit jeder Woche runder im Gesichte und der Bart wuchs ihm zusehends. Seine Hille ging aber auch nicht schlecht auseinander, so daß der Bauer sagte: »Mädchen, wenn du so bei bleibst, dennso brauchst du das doppelte Zeug für den Rock und wirst deinem Thedel eine teuere Frau.« Hille aber lachte und grub darauf los, als wenn der Boden die reine Butter war.

Wie ihr und Thedel, so ging es aber meist allen Leuten auf dem Peerhobsberge. Sogar die Kinder halfen beim Roden und Umgraben, und was früher für eine Schandnot angesehen war, wenn nämlich ein Frauensmensch sich in den Pflug spannte, jetzt galt das als ein Vergnügen. Es gab keine Bauern und keine Knechte und keine Bäuerin und keine Mägde in Peerhobstel, es war eine Gemeinde fleißiger Leute, von denen jeder für sich und alle für das Gesamt schanzten, so daß es auf den Dörfern um das Bruch hieß: »Einig wie die Peerhobstler!« Ödland war genug da, Holz und Weide wuchs allen zu, und wem es an Saatkorn mangelt oder an Geräten, dem wurde ausgeholfen, ehe er darum gebeten hatte.

Der neue Boden trug nicht so schlecht, als man gedacht hatte, zumal der Sand, denn eine Mergelbank stand nicht allzu weit an, der Schmorboden in der Ellernriede war fett wie eine Hochzeitssuppe, und wo das Moor gebrannt und mit Sand gemengt wurde, lohnte es die Mühe schon. Wenn es auch an Unkraut nicht gebrach, es stand doch alles besser, als man gehofft hatte, und als die Hauptarbeit getan war, sagte der Wulfsbauer zu den Dreiunddreißig: »Und jetzt wollen wir unserem Bruder Thedel sein Unterkriech bauen! denn ich glaube, es wird Zeit.«

Dieweil viele Hände mithalfen, stand das Haus bald da, und Thedel wußte nicht, was er sagen sollte, als Bettzeug und Geschirr und was sonst dazu gehörte, wenn der Mensch zu selbstzweien hausen geht, ganz von selber ankam, denn die Hundertelfe machten sich ein Vergnügen daraus, ihm zu helfen, wo sie konnten, ohne daß sie hinterher ankamen und ihr Teil wieder abaßen.

Es war überhaupt kaum einer von den geschworenen Wehrwölfen bei der Hochzeit. Am Abend vorher war nämlich wieder einmal [der bunte Stock] von Dorf zu Dorf gegangen und zwar mit einem roten Bande darum, und so mußten sämtliche huntertelfe und alle Tag- und Nachtboten am Platze sein, weil zwei Haufen von Marodebrüdern bestätigt waren. Der eine davon verschwand im Meitzer Busche, und die Raben und Füchse wußten allein die Stelle anzugeben, wo das Gesindel unter den Tannen lag, der andere aber kam bei Thönse unter die Räder, und es blieb nichts davon übrig, als der Anführer, und der hing da, wo der [Dietweg] [sich zwillte], so lange an einer Birke, bis es ihm da zu langweilig wurde.

Drei Tage darauf machte Viekenludolf einen Hauptstreich. Er gab mit zweien von den Dreiunddreißig einigen Pappenheimern, die auf den Dörfern Pferde zum Kriegspreise gekauft hatten, das Ehrengeleit. Im Burgwedeler Holze machten die Reiter Halt, tränkten die Pferde und dann sich selber, aber nicht mit Wasser, und so lange, bis sie die Haide für ein Federbett ansahen. Da schlich sich Viekenludolf hin, [dümpte] die Wache, bis sie an kein Luftholen mehr dachte, und schnitt schnell allen Pferden die Fußfesseln durch. Mittlerweile war Kunrad, sein Knecht, nach dem Dorfe geritten und hatte sich eine rossige Stute und ein Dutzend Leute geholt, die gerade weiter nichts zu tun hatten. Dann ritt Viekenludolf mit der Stute über dem Winde an dem Lagerplatze vorbei und zockelte die ganzen Pferde hinter sich her, und die jungen Leute aus Burgwedel sorgten dafür, daß die Reiter sich keine Blasen liefen. So behielt mancher Bauer sein Pferd im Stall und brauchte nicht mit der letzten Kuh zu pflügen.

Denn die Not war stellenweise schon groß. Dänen und Kaiserliche zogen durch die Haide, und wo sie gewesen waren, wurden die Suppen länger. Am besten hatten es noch die Leute auf dem Peerhobsberge, denn zu ihnen fand das Kriegsvolk nicht hin und das übrige Ungeziefer ließ sich im Bruche nicht blicken.

So konnten die Bruchbauern ihren Hafer in Ruhe bergen und brauchten sich nicht immer dabei umzusehen. Es fehlte die Erntekrone nicht und auch das Erntefeuer war da und es schlug hellwege auf, als nach altem Brauch die Opfergarbe hineingeworfen wurde. Dann zogen die Knechte und Mädchen ab; Mertenshinrich schwenkte eine lange Fuhrenstange, die ganz bunt abgeschält war, und daran war oben der Kopf von einem Hahn und daran die Ährenhalme aus der letzten Feldecke und bunte Bänder, die der Wind bewegte, und lustig war es anzuhören, als das junge Volk sang:

Wode, Wode, Wode,
wi halt dinen Peere Fode;
in düssem Jahr Dissel un Dorn,
anner Jahr beeter Korn!