»Ich glaube, das war der letzte,« meinte Wulf und Gödecke nickte. Da rief es auch schon hinter ihnen. Hermenharm, Ottenchristoph und Plessenotte kamen von der einen Seite an und von der anderen Hohlstönnes, Hassenphilipp und Hornbostelwillem. Die sieben Fuhrberger Bauernsöhne waren naß wie die Katzen und hatten Gesichter und Hände wie die Kohlenbrenner, aber sie lachten unbändig.
»Die schießen nicht wieder auf ehrliche Leute,« sagte Gödeckengustel. Hermenharm schüttelte den Kopf: »Sicher nicht, und alte Weiber schlagen sie auch nicht mehr bis auf den Tod. Lüdeckenmutter haben sie ein Schaf weggenommen und sie geschlagen, als sie kein Geld hatte, daß sie nun daliegt und Blut spuckt. Lumpenzeug! Aber nun braucht der Wolf und der Fuchs kein Messer; sie werden alle so schon mürbe genug sein! Alle haben sie daran glauben müssen, alle mitsamt. Schade, daß es nicht mehr waren. Und nun wollen wir löschen!«
Die Arbeit war bald getan, denn über den Moorgraben konnte das Feuer nicht, rechts lag ein Sandfeld und links war eine Torfkuhle neben der anderen, und hinter dem Busche ein nasses [Flatt]. »Hätten sie sich vorher gut umgesehen,« meinte Ottenchristoph, »dennso wäre manch einer von ihnen uns wohl noch fortgekommen. Aber sie waren ja so unklug wie die Schafe, wenn es brennt, und wo der eine hinlief, mußte der andere auch hin.«
Sie lachten alle, nur der Ödringer Burvogt machte ein böses Gesicht. »Wenn es so beibleibt, kommen wir heute nicht mehr nach Hause, Thedel,« brummte er. »Daß man noch nicht einmal in Moor und Bruch seines Lebens sicher ist! Überall treibt sich das Beistervolk jetzt rum, wo man es nicht vermutet. Beim besten Willen kann man jetzt nicht über Land reiten, ohne sich die Hände rot zu machen.«
So war es in der Tat. Als sie das Feuer [gedümpt] hatten und die Fuhrberger nach Hause geritten waren und Wulf und Thedel, und die drei anderen auf der Höhe von Ödringen waren, heulte hinter ihnen der Wolf; Thedel gab Antwort, und da kamen zwei Bauern angeritten, daß das Feuer aus dem Kies schlug. Viekenludolf und Schütte waren es.
»Auf Tornhop war Danzefest,« schrie der Rammlinger, »und Schlachtefest dabei! Na, es ist noch halbwege gut gegangen; wir kriegten früh genug Wind in die Nase und haben den Leuten gezeigt, was Landesbrauch in der Haide ist.« Mit einem Male machte er ein anderes Gesicht: »Den schönen Hof hat das Gesindel natürlich angesteckt, und Steers Wieschen, die da als Magd diente, mußte ihnen gerade in die Möte gelaufen sein, denn die fanden wir tot im Busche liegen; die anderen haben sich aber alle bergen können!«
Harms Halbbruder knurrte durch die Zähne und wurde rot und blau unter den Augen. »Es wird wohl nicht anders kommen, als daß wir alle unsere Dörfer anstecken und uns im Bruche bergen müssen. Ich bin gestern zwei Pferde und das ganze Federvieh losgeworden. Was soll man machen, wenn dreißig, vierzig solche Kerle auf einmal ankommen? Vor dem, was einzeln in der Haide herumläuft, braucht man ja keine Bange zu haben. Drei von dem Ungeziefer haben wir vorgestern im Mastbruche angetroffen. Nun bitte ich einen Menschen, was tun die da mitten in der Wildnis?« Er lachte. »Na, wenn es euch hier so gut gefällt, sollt ihr da auch bleiben,« sagte unser Krischan und machte den Finger krumm, »und ich auch.«
Der Wulfsbauer hatte seine gute Laune schon lange verloren und machte ein Gesicht wie eine [Kattule], und Thedel sah aus wie ein Zaunigel. »Immer und immer kommt einem was dazwischen,« spuckte er, und Harm wußte wohl, was er meinte, denn Thedel hatte noch Gras schneiden wollen, wenn er früh genug nach Hause kam, und jetzt war es meist Abend.
In der Schweineriede brüllte ein [Moorochs], die Enten flogen um und von der [Wohld] hörte man den Uhu rufen. [Der Fuchs braute] in den Gründen und über dem Halloberge war der Himmel so rot wie ein Mädchenrock.
Sie ritten langsam, und als sie vor dem [Auskiek] waren, machte Thedel den Wolf. »Kannst man stille sein, Thedel,« rief es vor ihnen, und Bollenkrischan kam hinter einem [Machangel] vor. »Na, du wirst dich wundern, wenn du auf den Hof kommen wirst, Burvogt,« lachte er dann; »es ist Besuch bei dir angekommen.«