Als Wulf die Türe im Rücken hatte, sah er lauter runde Augen um sich, und auf der Treppe zeigte ihm der Diener, der ihn heraufgebracht hatte, einen Rücken, so krumm, als wie ein [Rotbrüstchen] ihn zu machen pflegt, und er wollte ihn ausfragen; der Bauer aber stellte sich dumm und machte, daß er nach der Goldenen Sonne kam, hielt sich aber auch da nicht lange auf, sondern aß nur einen Happen zu seinem Schoppen und ging wieder los.

Am Torkruge traf er die anderen Wehrwölfe, die zu zweien und zu dreien vor und in dem Kruge standen oder saßen und so taten, als ob der eine Teil den anderen nicht kannte. Es waren noch einige andere Männer da, auch der Kerl, der vorhin die Frau umgefaßt hatte, und jetzt kannte Wulf ihn, es war der Mensch, der sich damals in der Goldenen Sonne so verdächtig um sein Pferd angestellt hatte.

Er hatte gehörig einen sitzen und prahlte wie ein [Markwart] und, als der Bauer an den Tresen ging, schrie er: »Kannst du nicht die Tageszeit bieten, wenn du hereinkommen tust, wie sich das gehören tut, du Flegel?« Der Bauer ging auf ihn zu: »Ich will dich beflegeln,« sagte er, und damit schlug er ihm mit dem Handrücken gegen das Gesicht, daß der Kerl mit einem Male die Stiefel da hatte, wo eben der Hut gewesen war. Sofort sprang er wieder auf: »Hund,« brüllte er, »Hund von einem Dreckbauern, du mußt sterben!« Er zog das Messer heraus, aber da warf ihm Gödeckengustel einen Stuhl gegen die Schienbeine, daß der Kerl den Estrich unter sich verlor, und Scheelenludchen und Meineckenfritze langten ihn sich, nahmen ihm die Pistolen ab, walkten ihn, bis er so weich wie Quark war, und schmissen ihn vor die Türe, daß es man so [mülmte]. Er hinkte nach dem Stalle und holte sein Pferd. Als er aufsteigen wollte, legte ihm Wulf die Hand auf den Arm: »Wahre dich, Stehldieb, wahre dich! Es wachsen Birkenbäume und [Wieden] die Masse in der Haide. Du bist mir das zweitemal [in die Möte gekommen]. Beim dritten Male ist Schluß und du kommst unter die Wolfsangel zu hängen.« Er hatte es ganz leise gesagt, aber Jasper Hahnebut verlor alle Farbe und zitterte so, daß er kaum auf das Pferd kommen konnte.

Scheele lachte: »Hätten ihm lieber gleich heute das Fliegen umsonst beibringen sollen!« Der Obmann schüttelte den Kopf: »Unter dem Stadtbann? das wollen wir lieber bleiben lassen!« Und als Menneke meinte: »Na, wenigstens war es ein kleiner Spaß!« da machte der Wulfsbauer eine krause Stirn und sagte: »Ich habe diese Späße dicke; es vergeht ja meist kein Tag, daß man seine Faust, oder was man gerade drin hat, nicht gebrauchen muß. Und gerade heute wäre ich meinen Weg liebendgern in Frieden gegangen.«

Es sollte aber noch besser kommen; als die Bauern eine Stunde geritten waren und an einem Fuhrenbusche vorbeikamen, knallte es; Gödeckes Rappe stieg in die Höhe und stürzte zusammen. »Deckung nehmen!« schrie der Wulfsbauer und hob Gödecke, der heil geblieben war, hinter sich; es knallte noch dreimal, aber die Kugeln fanden nicht zu den Reitern hin. »Umsonst nehmen wir nichts!« sagte Wulf; »reitet sofort los und holt soviel Leute, wie ihr kriegen könnt, und dann wollen wir die Füchse ausräuchern, die hinterhältschen Hunde, denn dies geht mir doch über den Spaß. Ich passe derweilen auf, wo sie bleiben.«

Er band sein Pferd an einer Fuhre an und schlich sich mit Gödecke von der Rückseite so nah an den Busch, als es eben ging. Beide standen bis an die Lenden in einem alten Torfstiche und sahen hinter den Birkenbüschen dahin, wo die Wegelagerer saßen. Es war ein Dutzend Tillyscher Soldaten, die sich unter dem Winde ein Feuer gemacht hatten, über dem sie einen Bratspieß hin und her drehten. Ab und zu stand einer auf, holte trockenes Holz und warf es in das Feuer.

Es mochte eine Stunde vergangen sein, da flüsterte der Wulfsbauer: »Paß auf, Gustel, gleich geht es los!« Damit hing er sich den Bleiknüppel über das Handgelenk und spannte die Pistolen. Gödecke nickte und machte gleichfalls scharf, denn mit eins sprangen die Soldaten auf, sahen sich wild um, und man konnte ordentlich sehen, daß ihnen nicht sauber zumute war, denn sie liefen hin und her, bückten sich und sahen sich um wie Schafe im neuen Stall. Da hörte Harm Wulf hinter sich ein Rotkehlchen ticken, und als sich umsah, stand Thedel da, [griente] über das ganze Gesicht und flüsterte: »Wir haben sie im Kessel, alle miteinander!« Dann drückte er sich linkerhand in einen Busch.

Kaum war er fort, da hörte man ein Schreien: »Heiliges Marrija!« und hinterher kam es: »Hundsblutt verdammtiges, nidderträchtiges!« Der Wulfsbauer lachte im Halse: »Ja, ja, Blut um Blut,« flüsterte er und sah mit blanken Augen dahin, wo die Soldaten hin und her liefen. Dann knallte es jenseits des Busches, und dann noch einmal und es roch nach Rauch, und dann wurde es heiß und mit einem Male brannte der Busch von unten bis oben und der Rauch schlug hin und her und da schrie es.

»Hörst du, wie sie piepen, Gustel?« flüsterte Wulf mit blänkrigen Augen. Dann nahm er die Pistole hoch, strich an dem Baume an und schoß; sowie der Schuß fiel, hörte Gustel einen Schrei und sah einen Mann, der lichterloh brennend aus dem Busche kam, in den [Abstich] fallen, daß es quatschte.

In demselben Augenblicke fiel hinter dem Busche wieder ein Schuß und gleich darauf noch einer, und dann rechts einer und links einer, und dann hörte man einen Schrei: »Erbarmung!« schrie es, aber bloß einmal. Vor Gödecke kroch etwas Brennendes aus dem Busch heraus, schleppte sich bis an den Graben und sprang hinein, blieb einen Augenblick in dem nassen Moose liegen, drehte sich dort wimmernd hin und her und versuchte dann herauszuklettern, aber der Bauer ließ es dazu nicht kommen; er schlug mit dem Bleistock danach hin und es wurde still vor ihm.