Denn es wurde schlimmer und schlimmer von Tag zu Tag. Seitdem der Herzog schwedisch geworden war, schickte der Kaiser ihm einen Bullenbeißer nach dem anderen in das Land, und es war kein Ende der Not. Bislang waren die schwersten Wetter immer an dem Dorfe vorbeigezogen, aber bald schlug es dicht dabei ein: die Pappenheimer stürmten Burgdorf; ein halbes Tausend Bürger kam dabei um, und die anderen waren zu Bettlern geworden, denn was nicht geraubt wurde an Geld und Gut, das fraß das Feuer. Kaum war das vorüber, so kamen die Waldsteinschen Bluthunde, und die Burgdorfer mußten Haus und Hof im Stiche lassen und zusehen, wie sie in dem wilden Walde ihr Leben fristeten.

Greulich ging es jetzt im Lande her, so schlimm, daß die Leute am Leben verzagten und alle Zucht und Sitte aufhörte. Die Wehrwölfe bedachten sich nicht mehr lange, wenn ganze Haufen von fremden, halbverhungerten Bauern angezogen kamen, sondern machten schnell die Finger krumm. Dreißig Marodebrüder fingen sie auf der Magethaide auf einmal und hingen sie an einem einzigen Galgen quer über den [Dietweg], und der Anführer bekam ein Brett vor den Leib, und darauf stand geschrieben: »Wir sind die Wölve drei mal einhundert und Elwe, wahret Euch, wir bellen nicht, sondern beißen sogleich.« Davor [verjagte sich] eine Bande von hundert Mann, die unter dem grünen Johann des Weges kam, so sehr, daß sie [unbesonnen] umdrehte.

Ihr Anführer wurde so geschimpft, weil er vom Kopf bis zu den Füßen grün gekleidet war. An seinen Händen [backte] mehr Blut, als an denen aller Männer, die hinter ihm herzogen, und von denen ein jeder es doch reichlich wert war, von unten herauf lebendig gerädert zu werden.

Er pflegte zu fluchen: »So wahr mir der Teufel, mein lieber Freund, helfe!« Das tat er auch, als er mit seiner Bande an dem Tage vor einem Tannenbusche lag und eine gräßliche [Schande machte]: »Schöne Lumpenkerle seid ihr mir!« schimpfte er; »vor Männern wegzulaufen, die an ihren Hälsen hängen! Der Teufel, mein guter Freund, soll euch lotweise holen!«

Die Pfeife fiel ihm aus der Hand, denn eine Stimme, von der keiner wußte, ist sie hier oder ist sie da, war zu hören: »Er steht hinter dir und holt dich, ehe daß die Sonne untergeht!« rief sie und dann kam ein Lachen hinterher, daß die Weibsleute schrien, wie die Schweine, und Hals über Kopf sprangen die Männer auf und wankten durch die Haide.

Der Wulfsbauer und Thedel mußten sich das Lachen verbeißen. Das waren nun an die sechzig Kerle und an die vierzig Weiber, und ein einziger alter Mann jug sie hin, wo er sie hinhaben wollte. »Ja, ich kann es noch zur Genüge,« sagte Ulenvater, »und ich bin heilsfroh, daß ich die Kunst diesem verrückten Thesel von Rabitze seinerzeit abgelernt habe, womit er in Helmstedt in der Schenke den Leuten die Haare in die Höhe stellte.« Er hob den Finger hoch: »Sie blasen all! Na, denn bis nachher! Ich alter Kröppel kann euch dabei doch nicht weiter helfen.«

Der Oberobmann und Thedel drückten sich vorne in den Busch. An vier, fünf Stellen wurde geblasen, dann fiel ein Schuß. Die Weibsbilder schrien, und dann knallte es überall und Wulf und Thedel sprangen von einem [Machangel] zum anderen, schossen, luden wieder, sprangen weiter und warteten, bis einer von der Bande herankam, zielten dann lange, und wenn es knallte, schlug er ein Rad. Wie die Hasen im Kessel wurden sie zusammengeschossen, ganz gleich, ob sie Hosen oder Röcke anhatten.

»Damit sie nicht hecken, die [Betzen],« sagte Grönhagen, als er eine große Frau mit schwarzen Haaren, die sich hinter dem grünen Johann bergen wollte, durch den Kopf schoß. Dann sprang er von hinten zu und riß den Mann an seinem Barte zu Boden, drehte ihm die Arme auf den Rücken, und Gödeckengustel band ihm die Daumen übereinander. Dann stellten sie ihn an eine Fuhre und er mußte zusehen, wie seine Mordgesellen unter die Erde kamen, und als das vorbei war, wurde er aufgehängt, ehe daß die Sonne unterging.

Wenn nun auch derartige Begebenheiten mehr als nötig dazwischen kamen, die Kapelle wurde fertig bis auf den Schlußstein über der großen Türe, und darin war ein Kreuz eingehauen, das aus zwei übereinanderliegenden Wolfsangeln gebildet war. Auch die Kirchhofsmauer wurde fertig; hoch und fest war sie, denn es lagen genug große Steine in der Haide herum, und hinter die Mauer wurde ein Zaun aus spitzen Pfählen gemacht und Weißdornbüsche dazwischen gepflanzt, und um die Mauer ein Graben gezogen, so tief, bis daß das Grundwasser herauskam, damit in der höchsten Not die Kapelle den Bauern als letzte Rettung dienen konnte.

Am achtzehnten Nebelung des Jahres 1632 wurde das erste Grab auf dem Kirchhofe gemacht, und als der Prediger die Leichenrede hielt, waren alle Augen naß, auch die der Männer, denn die Wulfsbäuerin war es, die sie begruben. Sie hatte wohl ab und zu einen ihrer Anfälle gehabt, sah aber immer so frisch und rot aus, als fehlte ihr nichts, und bloß der Prediger wußte, wie es um sie stand, denn dem hatte sie sich anvertraut.