»Das sind mehr als hundert Mann,« sagte der Offizier, der mit dem Ohr auf der Erde gehorcht hatte; »der Satan weiß, wo die Kerle herkommen. Vorwärts, marsch!« So zogen sie dahin, die Gesichter alle Augenblicke hinter sich, und hinter ihnen her ritten die Bauern, hier drei, dort zehn, da wieder ein paar und überall welche.

»Denen soll heute der Atem kurz werden und Pferdefleisch soll es sie auch kosten,« lachte Wulf; aber Viekenludolf ritt im Galopp voran, bis er auf hundert Schritte heran war, und dann stellte er sich in die Bügel, sah über den [Machangel]busch weg, klappte mit der Peitsche und schrie: »Kiejuh, kiejuh! Schlah doot, schlah doot, all doot, all doot, all dooot!«

Da war es, als ob die Wespen zwischen die Leute da vorne gekommen waren. Der Offizier fluchte und schlug zwei Kerle mit dem Säbel über die Köpfe, daß sie zu Boden schossen, aber es war kein Halten mehr; von hinten und von vorne, und rechter Hand und zur Linken, überall »kiejuh!« und in einem Ende »kiejuh!« und dazwischen das Peitschenklappen und das scheußliche Schreien: »Schlah doot, schlah doot, all doot, all doot, all dooot!« Da schrie der Offizier, indem er beide Arme in die Höhe schmiß: »Heilige Maria!« und wollte hinterdrein, aber der Bleiknüppel des Oberobmanns traf ihn in das Genick; er fiel vornüber, und erst, als der Schimmel in einen [Sohl] stürzte, fiel auch der tote Mann herunter.

»Na, wie ist es gegangen?« fragte Drewes, als Wulf und Ludolf am Nachmittage zurückkamen, naß wie die Frösche und hungrig wie die Hütejungens. »Fein,« schrie der Rammlinger, »sie laufen noch und werden wohl morgen auch noch laufen. Wir haben ihnen was zum Laufen eingegeben, aber etwas, das gleich durchschlägt. Sobald werden sie wohl nicht wiederkommen, und Stücker zwanzig von ihnen höchstens um Mitternacht, um nachzusehen, wo sie nun eigentlich sind. Kinder, habe ich einen Hunger und einen Durst! Wulfsbäuerin, jede Arbeit ist ihres Lohnes wert und Dreschen macht einen langen Magen. Aber hinsehen darfst du heute nicht, wenn ich mich hinter den Schinken knie, Wieschen, ansonsten könntest du denken, bei meiner Trina kriege ich man halb satt.«

Vater Drewes lachte und dachte, wie oft auch er mit solch einem Schlachterhunger nach Hause gekommen war. »Junge,« sagte er und goß den Metkrug bis oben voll, »Junge, man lebt ordentlich wieder auf, wenn man dich so prahlen hört! Und wie das auch ist, Spaß macht es doch, und wenn einem hinterher auch einmal graulig zumute wird, wenn man in seinem Bette liegt; alles was recht ist: wir haben doch gezeigt, daß wir keine Bählämmer sind, und darauf wollen wir anstoßen: hoch jeder Mann, der sich nicht an den Balg kommen läßt!«

Er ließ den Krug, auf dem zu lesen stand: »Fifat, es läbe die Vreundschaft«, rundgehen, aber als er ihn seinem Eidam gab, mußte er den erst anstoßen, denn Harm horchte nach dem Grasgarten hin, wo die Kinder ein neues Spiel spielten, und dabei sangen sie:

Der Schwed is kommen,
hat alles genommen;
hat die Fenster zerschlagen,
hat Blei rausgegraben,
hat Kugeln von gegossen
hat alles verschossen;
alles verrischossen.

Die Schweden

Was die Kinder gesungen hatten, sollte bald wahr werden. Der Schwede kam; vor ihm ging die Angst her, hinter ihm die Not und neben ihm die Pest.

»Bet', Kinder, bet', morgen kommt der Schwed', morgen kommt der Ossenstern, der wird die Kinder beten lern'«, damit brachte man die Kleinen zu Bette; sie lernten es und sangen es auf dieselbe lustige Art, wie sie den Maikäfer und die Sonnenkälbchen das Fliegen lehrten, so daß es den großen Leuten kalt über den Puckel lief.