Überall wurde vom Frieden gesprochen, aber kein Mensch glaubte, daß es dazu kommen würde, noch nicht einmal, als Oxenstierna in Celle Aufenthalt nahm und von da nach Osnabrück reiste, wo die anderen waren, die das Fell des Reiches versoffen. Eher glaubte man an das Ende der Welt und überall liefen Leute herum und schrien: »Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre, denn die Zeit seines Gerichtes ist gekommen!«

Selbst der Prediger ließ mitunter den Kopf hängen und sagte zu seiner Frau: »Margarete, es ist schwer, nicht an Gott zu zweifeln, wenn man hören muß, wie es zugeht. Der Viekenbauer hat erzählt, daß die Schweden Kinder zum Spaß martern, und bei dem Troßzuge, den er zuletzt überfallen hat, waren acht junge Mädchen von Stande als Packträgerinnen und die Schweden schlugen mit den Peitschen auf sie ein wie auf das Vieh. Doch das ist das wenigste, was sie auszustehen hatten. Gott, mein Gott, warum lässest du ein solches geschehen!«

Er hatte es sehr schwer, denn die Bauern murrten wider den Herrn. »Was hilft uns das ganze Gutsein,« hatte Schewenkasper gesagt, »wenn man davon nichts hat als Angsten und Sorgen!« Aber er hatte doch geschwiegen, als der Prediger ihm sagte: »Schäme dich, Kasper! Hast gesunde Kinder und eine blanke Frau und jeden Tag genug zu essen!«

Dem geistlichen Herrn ging es aber oft nicht anders als dem Hausmann und dem Wulfsbauern und allen übrigen ebenso, sogar dem Rammlinger, denn er war eines Tages angekommen und hatte gesagt: »Ich habe es dicke! Ich will hinter dem Pfluge hergehen und abends mit den Lütjen spielen, aber nicht alle paar Tage lebendige Menschen umbringen!«

Er hatte sich bei kleinem an seine Trina gewöhnt, besonders, als hinter dem Jungen ein Mädchen ankam, denn ein Schürzennarr, wie er einmal war, hatte er sich darüber ganz verdreht vor Freude angestellt, und wenn er eben Zeit hatte, schleppte er sich mit dem Kinde ab. Auf seine Trina ließ er nichts mehr kommen. Sie hatte ihn einmal dabei betroffen, wie er die [Lütjemagd] im Arme hatte, ihm eine gräßliche [Schande gemacht] und geschrien: »Noch ein einziges Mal und ich gehe mit den Lütjen ins Wasser!« Da hatte er es mit der heiligen Angst gekriegt und ihr hoch und teuer gelobt, daß er die Jungensschuhe ausziehen und sich wie ein Kerl aufführen wollte. Was seinen Hof und das Dorf anbetraf, so hielt er auch Wort, aber er war viel unterwegs, und da es in den Dörfern an Männern mangelte, so wurde es ihm sauer, sein Versprechen einzuhalten.

An einem schönen Maimorgen ritt er mit einem der wildesten der jüngeren Wehrwölfe, Schierhorns Helmke, durch das Bullenbruch. Er hatte eine Laune wie ein [Schneekönig], denn er hatte es bei Weesemanns Lotte gut getroffen. »Schöne Luft von Tage, Helmke,« sagte er und schlug sich seine Pfeife an. Als sie brannte, sah er über die Haide. »Helmke, kiek, zwei fremde Reiter, Schweden oder so etwas! Wollen doch einmal ein bißchen hin und ihnen die Tageszeit bieten! Was meinst du? Immer höflich, sagte die Krähe und machte jedesmal einen Diener, wenn sie dem [Piewitt] ein Ei aussoff.«

Schierhorn war gleich mit dabei. Sie hingen die Bleiknüppel über die Handgelenke, zogen die Pistolen und ritten in guter Deckung den Reitern entgegen. Den ersten schoß der Rammlinger aus dem Sattel, aber da sah er auch, daß er nicht zwei, sondern ein ganzes Dutzend Schweden vor sich hatte, und jetzt hieß es den Hasen machen und aus den Gäulen herausholen, was darin war. Es knallte zwar ein paarmal hinter ihnen her, aber außer Helmkes Grauschimmel, der den halben [Steert] missen mußte, blieben sie heil. Als sie aber meist an der [Wohld] waren, kamen ihnen zehn andere Schweden in die Möte, und da konnten sie nicht anders, als daß sie sich im Busche bargen.

Die Schweden suchten noch eine Weile herum, zogen dann aber ab. Unterwegs trafen sie zwei Taternweiber an und bekamen aus denen heraus, daß in der [Wohld] ein Dorf lag. »Beeses Leit sich da wohnen, Herr hiebsches,« sagte die Alte, und die Junge schmiß dazwischen: »Machen alles tott, was gutes Leit ist, Suldatten un Zigeiner!« Der Wachtmeister sagte: »O ha! also da stecken die Brüder! Na, die wollen wir aber ausschwefeln!« Er nahm die Weiber mit und ritt spornstreichs nach Fuhrberg, wo Graf Königsmark mit viel Volk lag, und machte Meldung. Mitten in der Nacht wurden hundertundfünfzig Mann losgeschickt, die solange in der Magethaide lagern mußten, bis es [schummerte].

Es war noch ganz grau, da hörte Gird, der mit Bolles Atze die Wache vor dem Bullenbruche hatte, sie herankommen; er blies, aber da hörte er es auch schon am Kohlenberge tuten, und bei der Dornkuhle ging es auch los; die Schweden waren von drei Seiten zugleich gekommen. Mit knapper Not konnten die Peerhobstler sich und ihr Vieh in dem Walle bergen; der letzte war der Wulfsbauer und hinterher kam Schewenkasper gewankt; er hatte noch schnell das Bild des Herzogs aus der [Dönze] mitgenommen und die gelbbunte Katze. »Damit die Kinder doch was zu spielen haben währenddem,« sagte er.

Die Schweden pürschten sich vorsichtig an das Dorf heran. Alles war still, bloß daß die Hühner gackerten und die Schwalben zwitscherten. Die Gewehre in der Hand machten die Soldaten sich an die Häuser heran; kein Mensch war zu finden. Sie suchten Schuppen und Keller nach; alles war leer. Es wurde ihnen unheimlich zumute. Aber da kam ein Reiter mit einem schwedischen Mantel angelaufen, den er auf Horstmanns Hofe gefunden hatte, und nun wurde gründlich nachgesucht und eine ganze Menge Waffen und Kleider wurden gefunden, die augenscheinlich totgeschossenen Schweden gehört hatten. »Und wenn ich ewig und drei Tage suchen soll,« fluchte der Hauptmann, »finden will ich sie, und dann könnt ihr euch mit ihnen einen kleinen Scherz machen, Leute!« Die Soldaten lachten, aber nicht so ganz von Herzen.