Wieder liefen Schweden über die Brücke. Drei bekamen Kugeln, vier kletterten über das Schutzdach, aber Schierhorn und Kasper warfen sie in den Graben. Dann hörte man es drüben fluchen, darauf schreien, dann ging ein Summen und Brummen los. Das Fluchen und Schreien nahm kein Ende, es wurde immer schlimmer damit, man hörte, wie die Pferde um sich schlugen und sich losrissen, Hunde heulten auf, das Brummen wurde immer gefährlicher, die ganze Luft war voll von Immen und hinter dem Wall stand Viekenludolf, bog sich vor Lachen krumm, schlug sich auf den Schinken, daß es knallte, und rief: »Ich gehe dot, ich gehe dot!«

Der Wulfsbauer mußte auch lachen. Dann ging er hin, band dem Schweden die Hände los und sagte: »Steh' auf!« Der junge Mensch stand da, kreideweiß um die Nase. Der Bauer griff ihn an die Brust: »Kannst du deutsch?« Der Junge zitterte am ganzen Leibe: »Ja!« brachte er heraus. »Bist am Ende selber ein Deutscher?« Der Mensch nickte. »Woher?« Er würgte: »Aus Sachsen!« Der Bauer holte tief Luft: »Schweinehund! Eigentlich solltest du sterben. Aber lauf hin und sage ihnen, sie sollen machen, daß sie fortkommen. Wir haben noch genug Immen und unsere Freunde kommen all. Und wenn dich einer fragt, wo du warst, dann sag' ihnen: bei den Wehrwölfen! Du bist der erste, den wir lebendig fortlassen.« Der Soldat zitterte so, daß er kaum über die Brücke konnte, und als er am Ufer ankam, fiel er hin.

Der Wulfsbauer hielt die Hand hoch: »Pst! sie tuten sich wieder zusammen! Was ist denn das? Das sind ja unsere Leute! Hört ihr, ein Schuß! Junge, das ist gut, ich bin halb verdurstet!« Er trank den ganzen Krug Dünnbier aus, den der Junge ihm reichte und dann sagte er: »Nun müssen wir erst wieder zusehen, daß unsere Immen ihren Ärger vergessen. Die werden schön falsch sein! Na, [Brägenschülpen] werden sie aber auch wohl alle haben. Und jetzt lauft hin und sagt den Frauensleuten Bescheid, aber sie sollen nicht herauskommen, wenn sie ihre [glatten] Gesichter behalten wollen, denn sonst kriegen sie Mäuler wie die Baumaffen. So, und nun kann die Hälfte losgehen und sehen, was unsere Mutter ihm gekocht hat. Aber laßt mir was über!«

Er horchte nach der [Wohld] hin und nickte. Da fielen immer mehr Schüsse und das Tuten und Blasen hörte nicht auf. Der Bauer stand wie ein Baum da. Dann lachte er. »Hörst du sie, Ludolf?« Der nickte: »Ja, Unsere kühlen ihnen jetzt die [Immenquaddeln],« sagte er; »mit 'm Bleiknüppel, das ist da gut für!« Der Wulfsbauer hob den Finger hoch: »Unsere haben sie zwischen sich. Stille! Hörst es? Junge, Junge, ein Schade, daß wir da nicht bei sind!« Er zitterte vor Aufregung: »Hör' bloßig, wie sie [bölken]: Schlah dooot!« Er hielt die Hände neben den Mund und brüllte über den Graben hin: »Slah doot, slah doot, all doot, all doot, all dooot!«

Und dann kam es aus den Blockhütten heraus wie Gesang; die beiden Bauern horchten; die Frauen und Kinder sangen: »Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen!«

Es dauerte nicht lange, da waren die Wehrwölfe da. Sie lachten und riefen über den Graben: »Na, die Hauptarbeit war ja schon gemacht; wir hätten ruhig zu Hause bleiben können! So, nun wollen wir erst dieses dummerhaftige Dings wegnehmen und zu Feuerholz machen!« Der Wulfsbauer schrie: »Nee, das können wir hier ganz gut brauchen, bringt es nach der Brücke! Aber erst kann einer von euch herkommen und uns verzählen, wie es geworden ist; denn daß wir höllschen neugierig sind, könnt ihr euch wohl denken!«

Jasper Winkelmann aus Fuhrberg und Ehlershinnerk aus Engensen kamen über die Brücke. »Junge,« sagte der Fuhrberger und schlug dem Rammlinger auf die Schulter, »hast dich aber fein gemacht! Willst wohl wieder [fründjen gehn]! Ein Schade, daß du nicht mit dabei warst! Wir konnten vor Lachen meist nicht schießen. Ich glaube, kein einer von ihnen ißt in seinem ganzen Leben ein Honigbrot wieder. Du hättest mal sehen sollen, wie die Pferde auskeilten, und die Kerls, Mensch, ich sage dir, zum Krempeln war es! Sie flöhten sich als wie die jungen Hunde, und ich glaube, hinter jedem [Machangel] in der Haide sitzt einer und pult sich die [Immenangeln] aus der Pelle. Was haben wir gelacht!«

Der Wulfsbauer nahm die Maske ab. »Sonst heißt es: erst die Arbeit, dann das Vergnügen,« sagte er, »aber bei uns ist das umgekehrt. Holt mal noch ein paar Mann ran und Nägel und [Wieden] und Barten; wir wollen hier schnell einen Turm machen, damit, wenn sie wiederkommen, wir sie von oben begrüßen können, denn das mit den Immen, das ist auf die Dauer denn doch zu teuer. Und was sollen die Kinder sagen, wenn wir so mit dem Honig aasen!«

Die Schweden kamen aber nicht wieder, weder diese noch andere. Was kein Mensch für möglich gehalten hatte, das schien wahr werden zu wollen. Es sprach sich bis in die Haide hinein, daß es nun bestimmt, aber auch ganz bestimmt Frieden werden sollte. Man merkte es an allerlei Vorzeichen: die Störche brüteten wieder auf den Dächern und nicht mehr in den Wäldern; die Winterkrähen gingen früher weg als vordem; der Mäusefraß hörte auf; man fand keine [Sternschnuppen] mehr; die feurigen Männer am Himmel kamen nicht wieder; die [Pest- und Sterbevögel] waren wie weggeblasen.

Die Marodebrüder und Parteigänger zogen immer noch im Lande um; aber ihre gute Zeit war vorbei. Wo sie sich blicken ließen, lief das Volk zusammen und schlug sie tot, und die Tatern und was sonst ohne Haus und Herd war, desgleichen. Die Bauern kamen langsam aus den Büschen herausgekrochen und hingen die Kesselhaken wieder über die Herde, wenn die Häuser noch da waren, oder bauten sich neue so gut es ging. Hier und da wurde auch wieder gepflügt und gesät, und die Toten kamen unter die Erde, wie es sich gehörte, und wurden nicht in einen alten Sack [beigerodet].