Der Förster, der wie verrückt mit seinem Hute zwischen die dürren Zweige am Boden geschlagen hatte, hielt inne, als er von den Tannen her ein ganz feines Geräusch vernahm. Ein leises Lächeln ging um seinen Mund. Er hielt den Atem an und schloß die Augen bis auf einen Spalt.

Lange blieb es drüben still; dann klang das Brechen wieder. Aber dieses Mal lauter, näher. Dem Förster schlug das Herz und die Büchse zitterte in seinen Händen. Er schloß die Augen ganz und atmete tief und langsam.

Als er die Augen wieder öffnete, sah er in der Dickung einen grauen Fleck. Und darüber, über den schwarzgesäumten Lauschern, das schwere, weitausgelegte Gehörn mit den roten Enden.

Eine Ewigkeit dünkte ihm die Spanne Zeit, bis daß Leben in den grauen Fleck kam, eine Ewigkeit, die ihm das Blut wild durch die Adern jagte und den Schweiß aus allen Poren trieb. Als aber der graue Fleck sich vorschob und ein brauner ihm folgte, da zog er ganz langsam die Büchse an die Backe und machte den Finger krumm.

Nach dem Schuß stand er auf und lauschte. Ein paarmal brach es noch in den Tannen, dann war alles still. Er trat leise an die Dickung, bückte sich, nickte befriedigt, als er hellrote Blasen auf den blauen, zerdrückten Glockenblumen sah, und ging fort.

Das Schmalreh war erstaunt aus seinem Bette aufgestanden, als sein grober Bräutigam es verließ. Das war sonst seine Art nicht, bei hellichtem Tage in den raumen Bestand zu ziehen. Und er hatte nicht einmal von ihm verlangt, daß es mit sollte.

Als es dann so laut donnerte, hatte Schmalrehchen eine Flucht gemacht. Aber nur eine, denn zu viel Angst hatte es vor seinem rohen Gebieter. Es wußte, er suchte doch auf der Fährte, und dann setzte es Hiebe, hageldicht.

Da vernahm es ihn auch schon. Laut brachen die dürren Zweige. Da war er! Aber was ihm nur fehlte? Er taumelte, schwankte, stürzte, richtete sich mühsam wieder auf, zog drei Schritte voran, brach wieder zusammen und blieb liegen.

Verschüchtert zog die Kleine an ihn heran. Sie machte ihr liebenswürdigstes Gesicht, denn es war ein launenhafter, roher Kerl, der Alte, viel unzarter, viel weniger liebenswürdig als ihr erster Liebster.

Matt hob er den Kopf, als sie bei ihm war, und ließ ihn wieder fallen. Zärtlich beschnupperte sie ihn, prallte aber zurück, denn er hatte eine so seltsame, unheimliche Witterung jetzt an sich.