Deshalb muckte er denn auch den ganzen folgenden Tag; er ließ seine Milch stehen, ging seinem Herrn aus dem Wege und verkniff sich das Pfeifen und Wedeln, als er mit in den Wald durfte. Um ihn wieder zu versöhnen, schoß ihm sein Herr eine Eichkatze; aber anstatt sie mit großem Getöse abzuschütteln und mit Stumpf und Stiel zu verspeisen, wie er es sonst tat, beroch er sie kaum und ließ sie liegen, und der Hegemeister schüttelte den Kopf, lachte und sagte nachher zu Hause: »Der Hund trägt es mir jetzt noch nach, daß ich ihm heute nacht den Pantoffel an den Kopf warf.« Aber das hatte Waldmann nicht so übel genommen, als das Anschnauzen und vor allem hatte ihn der Ausdruck: »Kartoffelkopp« tief gekränkt. So wedelte er beim Abendbrot noch nicht einmal, als ihm eine Fetthaut von der Leberwurst hingeworfen wurde, und es dauerte fast fünf Minuten, ehe er geruhte, sie zu verspeisen.

Er war auch mehr traurig, als wütend. Ist es denn möglich, daß die Menschen essen und trinken und lachen können, während es draußen umgeht? Wer weiß, ob nicht schon heute nacht das schreckliche Wesen sich in das Haus schleicht und irgend ein Unheil anrichtet! Und deshalb schlüpfte Waldmann, als das Mädchen abdeckte, zur Türe hinaus und war und blieb verschwunden, ob auch der Hegemeister pfiff und pfiff. Die ganze Nacht blieb er draußen, bald auf der Schwelle lauernd, bald am Schweinestalle oder am Torfschuppen schnüffelnd, aber er fand nichts, und als die Magd in aller Frühe in den Stall ging, schlich Waldmann sich beschämt in das Haus, kroch unter den Herd und ließ sich erst wieder blicken, als es etwas zu fressen gab. Der Hegemeister war dann noch so taktlos, ihn zu fragen, ob er im Dorfe ein Stelldichein gehabt habe, eine Äußerung, die nicht geeignet war, Waldmann in bessere Stimmung zu versetzen.

Eines Tages aber wurde er glänzend gerechtfertigt. Der Knecht kam herein und sagte: »Wir haben nämlich die erste Neue, Herr Hegemeister, und ich glaube, der Waldmann der war nämlich klüger als wir alle zusammen. Vom Schweinestall bis zum Torfschuppen spürt sich nämlich ein Iltis hin und her. Und nun weiß ich nämlich auch, warum das morgens auf dem Hofe immer so mulsterig roch und ich glaube nämlich, wir tun dem Hunde den Gefallen und machen ordentlich Blechmusik, indem das nämlich der Iltis für den Tod nicht vertragen kann. Bei dem vorigten Hegemeister wurde das nämlich auch immer so gemacht. Der stellte sich nämlich mit der Flinte an und wir ließen die Hunde in die Ställe und machten mit Kasserollen und Sensen Lärm und dann sprang er nämlich, der Iltis, und entweder wurde er geschossen oder die Hunde kriegten ihn zu fassen.«

Der Hegemeister lachte und sagte: »Dann wollen wir das nämlich so machen.« Und so ging die Geschichte los. Der Knecht und die Line und sogar die Frau Hegemeisterin nahmen Topfdeckel und zogen in den Schweinestall, der Hegemeister machte scharf und stellte sich auf dem Hofe an und Waldmann wurde in den Stall geschickt. Aber als der Lärm los ging, machte er, daß er fortkam und schlüpfte in den Torfschuppen und winselte da so lange herum, bis der Knecht ihn hineinließ. Da stellte sich Waldmann ganz wild an, so wild, wie er wurde, wenn er eine kranke Sau verbellte, und er scharrte und kratzte an dem Torfe herum, daß der Hegemeister sagte: »Johann, schmeiß einmal die Törfe auseinander.«

Das tat Johann auch und Line mußte derweilen weiter mit den Topfdeckeln klappern. Auf einmal schrie sie auf, ließ die Deckel fallen, hielt sich die Röcke zusammen, rannte dem Hegemeister vor den Leib, daß dem die Pfeife aus dem Munde fiel, und ehe er und der Knecht eigentlich wußten, was los sei, fuhr etwas Schwarzes zur Türe hinaus und hinterher sauste Waldmann. Und da hörten sie auch, wie die Frau Hegemeisterin schrie: »Bravo, Waldmann, bravo! Er hat ihn, er hat ihn! Hu, faß den Stinker, so recht, so schön, Waldmann!« Als der Hegemeister und der Knecht und Line auf den Hof kamen, war der Fall schon erledigt. Waldmann stieß den Iltis, der nur noch ein ganz wenig zuckte, hin und her, schlug ihn sich noch einmal um die Behänge, trug ihn dann ins Haus und legte ihn auf seine Sauschwarte, wo er ihn von neuem beroch, bis der Hegemeister den Iltis aufnahm und dann den Hund abliebelte.

»Bravo, Waldmann!« Na, das ging Waldmann ja ganz glatt hinunter, aber er dachte doch bei sich: »Ihr hättet mir viel Ärger und Kummer ersparen können, wenn ihr eher auf den Gedanken gekommen wäret, daß ich immer recht habe, wenn ich mich aufrege. Aber euch fehlt eben die Nase und so kann man euch schließlich nichts übel nehmen.«


Das Eichhörnchen.