Die Einwanderer.
»Eine dumme Geschichte das«, dachten die Kaninchen, »wirklich, eine zu dumme Geschichte!«
Nun waren es drei Tage her, daß sie nicht Wald noch Feld gesehen hatten. Seit drei Tagen waren sie in Kisten und Kasten herumgefahren, geschüttelt und gerüttelt worden, daß ihnen Hören und Sehen verging. Jedes Mal, wenn das Rütteln und Schütteln aufhörte, dachten sie, nun käme die Erlösung, aber es kam weiter nichts, als neues Rütteln und Schütteln.
Froh und heiter hatten sie in ihren Sandbergen an der Emse gelebt, sich an den guten Sachen fett geäst, die auf den Feldern und Wiesen wuchsen, fleißig an ihren Bauen gearbeitet, ab und zu mit den Hirtenhunden Kriegen gespielt, mit diesen albernen Hunden, die nicht dahinter kamen, daß ein Kaninchen schneller ist, als alles auf der Welt, das Haare und vier Beine hat und daß es sich unsichtbar machen kann, wenn es will.
Aber eines Tages kamen Männer mit Hunden und jagten die Kaninchen allesamt aus Busch und Heide zu Baue. Das wäre weiter nicht schlimm gewesen, denn unter der Erde ist es warm und gemütlich. Aber dann kam das Schreckliche: ein langes, weißes Tier, was wie ein Iltis roch und rote Augen hatte, war in die Baue eingeschlieft und da es eine Klingel um den Hals hatte, entsetzten sich die Kaninchen so arg, daß sie Hals über Kopf zu Tage fuhren. Das heißt, fahren wollten, denn ehe sie zur Besinnung kamen, verstrickten sie sich in einem Netze und kugelten damit im Heidkraute umher.
Und dann begann das eigentliche Elend. Sie wurden köpflings in einen Sack gesteckt, in dem sie in Todesangst hin- und herschossen, bis sie sich so abgestrampelt hatten, daß sie zitternd auf einem Haufen saßen. Dann wurden sie in dem Sacke weit weggetragen, dann kamen sie in eine dunkle Kiste. Allerlei Futter fanden sie vor, aber sie rührten es nicht an und scharrten und knabberten an den Brettern, bis sie müde waren. Dann fuhr man sie in der Kiste über holprige Heidewege und lud sie irgendwo ab und dann wurden sie wieder aufgeladen und den halben Tag gefahren.
Rumpeldipumpel machte der Wagen und die drei Kaninchen fuhren übereinander hin. »Prr,« schrie der Jagdaufseher und das Pferd stand. Der Kastendeckel öffnete sich, eine derbe Faust faßte hinein, erwischte ein Kaninchen nach dem anderen und dann flogen die drei kopfüber, kopfunter in das Heidekraut. Einen Augenblick saßen sie da, geblendet von der Sonne, betäubt von dem Geruche der Kiefern und der Heide, aber nur einen Augenblick, dann schlug jedes einen Haken und verschwand in der hohen Heide. Hinter ihnen her erklang das Gelächter des Jagdaufsehers.