8. In einem Gange des ehemaligen Benediktinerklosters zu Chemnitz befand sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund' an hatte derselbe nun einen solchen Mund und ist stumm geworden.
Nach Chr. Lehmann, Dr. Spieß, Dr. Köhler.
c. Wüste Marken im Obererzgebirge aus der Zeit der Hussitenkriege.
1. Mancher Ort ist durch die Hussiten zerstört worden, und nur noch wüste Marken erinnern an sein einstiges Vorhandensein. Wo jetzt das Dorf Waschleite bei Schwarzenberg liegt, hat ehedem das Dorf Gleßberg am Fuße des Gleßberges oder des Schatzensteines gestanden. Es erstreckte sich am oberen Teile des Oswaldbaches hin. Die Hussiten haben es zerstört. Auf einem Teile der Gleßberger Fluren entstand das jetzige Dorf Waschleite. Seinen Ursprung und Namen hat es von den Erzwäschereien genommen, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldbache anlegte.
2. Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Kraftsdorf gestanden haben, wovon früher, und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge, noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.
In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst von einem Feuerherde erhalten hatten.
3. Unweit der Stadt Zöblitz, an den Ufern der Pockau, liegen die Ruinen der alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein, welche eine Viertelstunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer felsigen Bergecke liegt, wurde im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das Schloß Niederlauterstein, das nur einige Minuten unterhalb davon am linken Pockauufer liegt, erhielt sich über 20 Jahre länger. Vieles erzählt man sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, deren einer 1520 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem Fenster herablassen; allein die in Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert. 1559 kaufte Kurfürst August das Schloß von Kaspar von Berbisdorf und bestimmte es zum Sitze eines Amtes. Im dreißigjährigen Kriege wurde es zerstört.
4. Sachsens »Kirchengallerie« erzählt, daß man in der Gegend von Johnsgrün öfters alte Schlüssel gefunden hat. Man schließt daraus, daß die Gegend von Johnsgrün vor der Zeit des Hussitenkrieges stark bevölkert gewesen sei.
5. Bei Augustusburg giebt es wüste Marken, die auch an Hussitengreuel erinnern. Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende, große Mörbitzwald, welcher von einem darin gestandenen Dorfe seinen Namen haben soll. – Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf, Reifland in der dortigen Gegend gelegene Staatswald Röthenbach enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag. – In dem im Staatsforste zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha gelegenen »Strutwald« soll auch vor dem Hussitenkriege ein Dorf gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden.
6. Da wo Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal liegt, hat das Dorf Gecksdorf der Sage nach gelegen, welches auch im Hussitenkriege zerstört worden sein soll.