7. Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten auswanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfertsche und Zimmermannsche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten. Das wäre also ein seltenes Beispiel, wonach auch die Hussiten einen Ort errichteten, anstatt zu zerstören.

Nach Dr. Herzog, Dr. Köhler u. a.

41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege.

a. Die Kriegsereignisse.

Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten, Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man den Bauernkrieg nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der Bauern zusammengefaßt.

An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern, die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen ausstechen.

Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte, zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen, sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.«

Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue, tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau, bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog nach Raschau und zerstörte die Kirche.

Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und siedelte nach Freiberg über.

Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.