Mit diesen Worten verschwand Stülpner wieder in sein Versteck, der Pächter kehrte nicht ohne Bewegung und Teilnahme in seine Wohnung zurück.

Der Pächter, von der Teilnahme des Majors für Stülpners Lage überzeugt, konnte nicht umhin, seine Zusammenkunft mit demselben ihm mitzuteilen, worüber der Major sich wirklich zu freuen schien, indem er hieraus ersah, daß es Stülpners ernstlicher Wille sei, von seinem verbotenen Lebenswandel abzustehen, was ihn noch mehr bewog, für die Milderung seiner Lage zu wirken.

Kurze Zeit darauf begegnete Stülpner auf einem einsamen Spaziergange selbst dem Major von Einsiedel, der in Begleitung des Rittmeisters von Zinsky war. Ruhig und höflich seinen Hut zum Gruße ziehend, ging er auf diese Herren zu, brachte in bescheidenen Worten die gewöhnliche Entschuldigung und Verteidigung seiner Lebensart vor und versicherte aufrichtig, daß er des wilden und jetzt sogar vogelfreien Lebens herzlich müde sei und bat zugleich den Major sich seiner gnädig anzunehmen und sich für ihn zu verwenden.

Ruhig und gleichsam wohlgefällig hatte der Major zugehört und seine Miene deutete an, daß er die gute Meinung, welche er nach allem, was ihm von Stülpner mitgeteilt worden war, für ihn gefaßt hatte, bestätigt fand. Nachdem er ihm hierauf eine kurze Strafpredigt wegen seines unerlaubten und sträflichen Gewerbes gehalten und ihm das Widerrechtliche seiner Handlungsweise näher auseinandergesetzt hatte, versprach er, sich unter der Bedingung für ihn zu verwenden, wenn er von diesem Augenblicke an von seiner Lebensart als Wildschütz abstehe und sich ganz ruhig verhalte.

Stülpner versprach hierauf mit Hand und Mund, daß er sich ganz nach dem Wunsche und Befehle des Herrn Majors verhalten wollte und versicherte nochmals, daß, wenn er nur als Wildschütz freigesprochen würde, er sich unbedingt bei seinem Regiment einstellen und sich der Strafe als Deserteur unterwerfen würde.

Als der Rittmeister von Zinsky, welcher bisher stillschweigend dieser Verhandlung mit beigewohnt hatte, hierauf noch erwiderte, daß es wohl gut sei, wenn Stülpner von nun an seinem bisher geführten unerlaubten Lebenswandel entsage und keine tollen Streiche mehr begehe, aber wovon solle er denn unterdessen leben, da er sich ja unter seinen gegenwärtigen Umständen nichts verdienen könne? – »Nun so,« entgegnete der Major, »verspreche ich ihm wöchentlich bis zur Ausgleichung seiner Sache, einen Laubthaler,« »und ich,« sprach der Rittmeister, »gebe ihm alle vierzehn Tage ein Viertel Korn, das er sich bei mir abholen kann, somit hat er Geld und auch Brot.«

Stülpner, der wirklich über die edle Teilnahme dieser beiden Herren sehr überrascht und gerührt wurde, gelobte nochmals, unter dem aufrichtigsten Dank für diese gnädige Unterstützung, daß er schon von heute an sich ganz streng nach ihrem wohlgemeinten Rate verhalten und seinem Leben als Wildschütz entsagen wolle, und bat und fragte den Major, ob er sich wohl nun in der Behausung seiner Mutter aufhalten dürfe?

»Gestatten kann ich dieses zwar nicht,« erwiderte der Major, »doch es wird, wenn Du Dich ruhig verhältst, niemand etwas dagegen haben,« und so schied er, nach kurzem Abschiedsgruß mit seinem Freunde nach dem Schloß zurückkehrend, von Stülpnern, der noch lange in Gedanken versunken diesen edlen Menschenfreunden nachblickte, und endlich den Weg zu seiner Mutter einschlug, um diese von dem soeben Vorgefallenen zu benachrichtigen, und gleich zu seinem gegenwärtigen Entschluß Vorkehrungen zu treffen.

Seine Mutter war über diese Botschaft ungemein erfreut, da ihr der unstäte und strafbare Lebenswandel ihres Sohnes schon so manchen Kummer verursacht hatte, und bot alles auf, um ihn in seinem löblichen Vorhaben mit ihren geringen Kräften zu unterstützen.