Das Militärkommando wurde in der Schenke und den zunächst liegenden Häusern einquartiert und beordert, sich um 8 Uhr morgens am Fuße des Schloßberges zum Rückmarsch nach Annaberg zu versammeln.
Während dies alles hier vorging, war Stülpner in Grießbach ebenfalls nicht unthätig. Da er seine ganze Munition in seiner Jagdtasche verwahrt hatte, welche er nebst seinem Hirschfänger wegen der Schnelle seiner Flucht im Stiche hatte lassen müssen, so sah er sich jetzt genötigt, aus Kommißkugeln kleinere Kugeln für die Mündung seines Gewehrs mit dem Messer zu schnitzen, zu welch' saurer Arbeit er zwei volle Stunden brauchte.
Als er damit fertig war, eilte er noch vor Tagesanbruch in der größten Finsternis und bei schrecklichem Regenwetter wieder nach Scharfenstein zurück, um zu sehen, wie die Sache inzwischen abgelaufen sei, und nahte sich nun unerschrocken mit gespannter Büchse der Wohnung seiner Mutter. Da die Besatzung kurz vor seinem Erscheinen wieder abgezogen war und er niemand weiter gewahrte, klopfte er an den Fensterladen seines Nachbars, um sich hier näher nach allem zu erkundigen.
Hier hörte Stülpner ausführlich sowohl die schändliche Behandlung seiner schuldlosen Mutter als auch von der Beschlagnahme seiner Utensilien, sowie überhaupt von der großen Verwüstung, welche bei dem Durchsuchen des Hauses verübt worden war, und alles dies versetzte ihn in solche Wut, daß er sogleich auf die Nachricht, der Gerichtsdirektor, der Offizier und die Forstbeamten hätten sich aufs Schloß begeben, auch das Militär wäre in der Schenke wie in deren Nähe einquartiert, nach dem Schlosse zu stürmte, sich gegen 6 Uhr früh mit seiner scharfgeladenen Büchse unten vor das erste Thor des Schlosses stellte, um hier auf die Heimkehr der genannten Herren zu warten und sie so höflich als möglich zu begrüßen.
Als er so einige Zeit, den Blick unverwandt auf das Schloß gerichtet, dagestanden hatte, kamen die Lokalgerichtsbehörden von Scharfenstein aus dem Schlosse, welche die mit Beschlag belegten Gegenstände Stülpners, seinen Rock, den Hirschfänger und die Jagdtasche trugen, um sie auf Befehl des Gerichtsdirektors sogleich an das Amt Wolkenstein abzuliefern.
Sobald diese Stülpner sahen, donnerte er sie mit den Worten an: »Wo wollt Ihr mit meinen Sachen hin? Sogleich legt Ihr sie hier vor mir nieder oder (die Büchse auf sie anlegend) ich schieße Euch alle zusammen!«
Bestürzt und vor Angst zitternd, befolgten die Behörden seinen Befehl, woraus er denselben noch anbefahl, sogleich in das Schloß wieder zurückzukehren: und den Herren daselbst zu sagen, daß sich Stülpner selbst seines Eigentums wieder bemächtigt habe. Während diese froh, ohne Schaden davon gekommen zu sein, auch hierin pünktlich Folge leisteten und wieder in das Schloß zurückwanderten, zog unterdessen Stülpner seinen Rock an, schnallte seinen Hirschfänger um, hing sich seine Jagdtasche über, worin sich noch unangetastet seine ganze Munition befand, und war froh, so wohlbewaffnet seine Feinde erwarten zu können.
Als er sich wieder auf seinen Posten gestellt hatte, sah er plötzlich den Offizier, den Gerichtsdirektor und die Forstbeamten, alle beritten, aus dem Schloßthore herauskommen und rief ihnen ein fürchterliches »Halt!« entgegen. Als diese Stülpnern in seiner drohenden Stellung sahen, wollten sie sofort in das Schloß zurückreiten; da fielen plötzlich zwei Schüsse, deren beide Kugeln das Hinterteil von dem Braunen des Oberförsters Pügner aus Geyer trafen.