Als eines Tages ein armes Weib sich im Walde einiges dürres Leseholz sammeln wollte, was auch an gewissen Tagen erlaubt war, kam der Förster des Bezirks hinzu und forderte unter Androhung harter Strafe mit ungestümen Worten ein Pfand. Unter lautem Wehklagen und Bitten beteuerte das Weib ihre Armut und ihr Unvermögen, sein Verlangen zu befriedigen. Doch der Förster, von Wut entbrannt, riß ihr mit Gewalt den Korb vom Rücken und zertrat ihn fluchend und tobend in Stücke und machte noch Miene, sich an der über diese Ungerechtigkeit nach Hilfe schreienden Frau thätlich zu vergreifen.

Stülpner, der in einem nahen Dickicht Zeuge dieses Vorfalles gewesen war, stand jetzt wie aus der Erde herausgewachsen mit gespannter Büchse vor dieser Gruppe und rief mit donnernder Stimme:

»Wer giebt Ihnen, Herr Förster, das Recht, dieses arme, wehrlose Weib so zu mißhandeln?«

Förster: »Und wer hat das Recht, mich hier wegen meiner Handlung und der Ausübung meiner Pflicht zur Rede zu stellen?«

Stülpner: »Jeder rechtliche Mensch ist verpflichtet, Mißhandlungen gegen alte, schwache Personen zu unterdrücken und die an ihnen ausgeübten Schändlichkeiten zu bestrafen. Das, was Sie jetzt thaten, war schlecht und ich würde mich an ihrer Stelle schämen, eine so alte wehrlose Person, die noch dazu weiter gar nichts verbrochen hat, auf ähnliche Art zu behandeln.« Der Förster, durch die kühne Sprache nur noch mehr in Wut gebracht, entgegnete mit trotzig aufbrausender Stimme:

»Was soll das heißen und wer ist er?«

Stülpner: »Wer ich bin, wird sich hernach ausweisen. Doch jetzt bezahlen Sie im Augenblick der armen Frau 10 Groschen für ihren zertretenen Korb, wo – nicht, so (eine Bewegung mit dem Gewehre nach dem Förster machend), werde ich selber zahlen.«

Der Förster, durch diese drohenden Worte und Stellung eingeschüchtert, sah wohl ein, daß er es mit einem unerschrockenen Gegner zu thun hatte, zog, im innern vor Furcht und Zorn glühend, mit zitternder Hand, immer nach der Mündung des Gewehres schielend, seinen Beutel und zahlte die billige Forderung von 10 Groschen, die Worte leise hinzufügend: »Wahrlich, das ist zu toll und mir noch nie vorgekommen.«

Stülpner, den Hahn in Ruhe lassend, rief dem vor Wut und Scham davonschleichenden Förster nach: »Herr Förster, Sie wollten gern wissen, wer ich sei? Ich bin Stülpner, vor welchem Sie sich künftig in Acht nehmen mögen, denn würde er Sie nochmals auf ähnlicher Art wie heute treffen, so möchten Sie dann wohl nicht mehr so leichten Kaufs davon kommen, – und nun Gott befohlen.« Stülpner verschwand hierauf wieder im Dickicht; fluchend und tobend eilte der Förster, froh dankend das arme überraschte Weib nach Hause.

Auf seinen Streifzügen hatte Stülpner in den nahen Grenzwaldungen mehrere Genossen kennen gelernt, mit welchen er hinsichtlich seines Gewerbes zwar gemeinschaftliche Sache machte, aber wegen seiner Gewandtheit, Körperstärke und praktischem Ueberblick immer eine gewisse Autorität über sie sich vorbehielt. Mit diesen wagte er sich oft in die Nähe von Ortschaften, wo er leicht bemerkt werden konnte.