So tüchtig ist der Jons und so gescheit. Es müßte wirklich mit unrechten Dingen zugehen, wenn zwei solche Eheleute nicht vorwärts kämen.
Und sie kommen vorwärts.
Die Kartoffelernte bringt zwanzig Scheffel. Davon kann neben ihnen noch ein Ferkelchen satt werden. An dem Giebelende, das fensterlos ist, erhebt sich alsbald ein Abschlag mit Schwarten als Dach und rohrgeflochtenen Wänden. Darin hat das Schweinchen Platz und später wohl auch eine Ziege, deren Milch man als Wöchnerin ungern entbehrt. Im Sommer nährt die sich selber am Wegrand, für den Winter aber muß vorgesorgt werden.
Das Heu rupft man sich, indem man in nächtlicher Finsternis hinter den Fudern daherläuft, die auf der Chaussee von den Wiesen kommen und Gott sei Dank bloß in kurzem Trab fahren — sonst würde die Erdme in ihrem Zustand ihnen nicht folgen können. Das Verstreute sammelt man auf dem hinterher fahrenden Handwagen, so rasch es nur geht, denn unverschämte Diebe gibt es genug, die einem das sauer Erworbene vor der Nase wegschnappen wollen. Manchmal findet man die Plätze hinter den Fudern bereits von anderen Schatten besetzt; mit denen prügelt man sich herum, oder man einigt sich besser in Güte.
So wird allmählich der Bodenraum voll. Nur für die Heizung muß Platz bleiben. Um die zu beschaffen, hat man vom Moorvogt das Randstück eines Torflochs gepachtet und ist auch diese Pacht schuldig geblieben — genau so wie jene. Denn der merkwürdige Mensch mahnt ja nicht. Warum soll man ihm also entgegenkommen?
„Er wird schon mahnen,“ lacht die kleine Ulele. „Er hat ein dickes Buch. Darin steht alles geschrieben wie in dem Buch des ewigen Richters. Was ehrlich erworben ist und was nicht. Es steht alles darin.“
Der Erdme zittern die Knie, sie quiekt wie eine Maus und sinkt nach hinten zurück. Aber das hängt ja mit ihrem Zustand zusammen. Und so entschuldigt sie’s auch bei der kleinen Ulele.
8
Der Winter kommt wie alles Schlimme früher, als man sich’s denkt.
Eines Morgens zu Anfang November ist das Moor gefroren wie ein Brett. Bis dahin hat man im Kalten gelebt, aber nun geht es nicht mehr.