Am schlimmsten in dieser schlimmen Zeit ist das Gefangensein. Man kuckt nach rechts — man kuckt nach links — alles ist weiß, alles ist weit, und nicht ein Fuhrwerk fährt auf dem Wege, um zu zeigen, daß es noch Dinge gibt auf der Welt, die anders aussehen als weiß. Die Häuser der Nachbarn stehen ja da, aber sie sind fast ganz in Schneefluchten versunken, und nur wo der Rauch sich niederschlägt, gibt’s auf dem Dach einen graulichen Flecken.

Man kann sich kaum vorstellen, daß dort überall Menschen wohnen, denn niemals sieht man einen, und man geht auch nicht gerne hinüber.

Wäre die kleine Ulele nicht, man wüßte tagsüber kaum mehr, wie eine fremde Menschenstimme sich anhört.

Aber die kleine Ulele hat viel zu tun. Sie geht auf Freiersfüßen. Wenn sie zum Frühling eingesegnet wird, muß der Vater schon seine Frau haben. Denn dann will sie in die große Welt, ihr Glück machen. Sie weiß eine, die hat dreihundert Taler, und eine andere, die hat noch mehr. Aber an der hängen zwei Kinder, deren Vater sie manchmal besucht. Und die Ulele meint mit Recht, das werde Streitigkeiten geben, wenn sie selbst als Vermittlerin nicht mehr im Lande ist. Sie wird also wohl die erste wählen, aber der muß noch viel zugeredet werden, denn sie fürchtet, der Weg der Vorgängerinnen werde alsbald auch der ihrige sein.

So hat man seine Sorgen, auch wenn man noch Kind ist.

Von dem Nachbar Witkuhn hat Erdme seit Monaten nichts mehr gesehen, und die Hilfeleistung bei seiner Frau muß die kleine Ulele für sie mit übernehmen.

Es bleibt also nur der fromme Taruttis, an den man sich halten kann. An jedem Sonntagabend gibt’s eine Versammlung bei ihm. Zu der kommen die Gebetsleute weit und breit, und manchmal sind Stube und Vorflur so voll, daß die Haustür offen stehen muß, und dann zieht der eisige Wind wie mit Peitschenhieben über die Köpfe.

Aber schön ist es trotzdem. Andächtige Lieder werden gesungen, Sündenbekenntnisse abgegeben, und meistens kriegt der heilige Geist einen oder den anderen zu packen, so daß er aufsteht und mit Zungen redet, während die anderen horchen und weinen. Das ist dann ein rechtes Sonntagsvergnügen.

Zu der Gemeinde gehören Jons und Erdme noch nicht, denn das Abtun des Irdischen ist wenig nach ihrem Geschmack. Aber sie werden als Gäste geduldet, zumal der Tag der Erleuchtung auch ihnen nicht ausbleiben kann.

Zweimal hat es Tauzeit gegeben und Regen und Weststurm. Dann hat der Schnee sich gelöst, und die Welt ist zu Torfschmutz geworden. Dann riecht es nach Rauch und nach Pferdeurin, und doch sind gar wenige Pferde ringsum. Nur der Wohlhabende kann sich eins halten.