Der Nachbar Witkuhn weiß, daß er selber es nie so weit bringen wird. Um so eifriger ist er darauf bedacht, daß Jons und Erdme dahin gelangen.
Der Ankauf der zweiten Kuh ist auch sein Werk. Eine Holländerin ist sie, wollstirnig mit einem schwarzen und einem weißen Auge. Und Milch gibt sie — man schämt sich zu sagen, wieviel Milch sie gibt, aber die an der Ablieferungsstelle, die wissen’s.
Jetzt kommt des Abends schon manchmal Butter auf den Tisch, und die Kleinen trinken frische Milch, soviel sie nur mögen.
Im Frühling des fünften Jahres geschieht das Große, daß Jons seine ständige Arbeitsstelle aufgeben muß, denn Erdme schafft es nicht mehr, selbst wenn er die Freistunden noch so sehr ausnutzt.
Der Sägemühlenbesitzer schenkt ihm zum Abschied zehn Mark und eine Kiste Zigarren wegen der Ehrlichkeit, die er immer bewiesen hat, im Gegensatz zu anderen, die sich jetzt in Rußland herumtreiben.
Nun kann sogar das dritte Hektar in Angriff genommen werden, zumal der am frühesten urbar gemachte Boden für Roggen bald reif ist.
Der Moorvogt gibt noch ein neues Stück Wiese dazu und verspricht sogar, den Jons bei der Entwässerung zu beschäftigen, wenn es ab und zu in der Wirtschaft zu still wird.
So ist für alles gesorgt, und die Zukunft liegt da wie ein blühendes Kleefeld.
Wenn Erdme bei ihrer Arbeit die schlammbespritzten Beine hebt und senkt, daß der federnde Grund schaukelt wie eine Wiege, und wenn das schwarze Wurzelwerk unter den Streichen der Hacke zerblättert, als wäre es Torfgrus, dann ist ihr zumut, als sei das ganze Moor nur geschaffen, um ihrem Glücke zu dienen. Und sie dehnt in lauter Wohlsein die starke Brust dem Gelingen entgegen.
Wenn es nur allen so ginge wie ihr! Aber ringsum sitzt Kummer genug. Von der hinfälligen Frau des Witkuhn gar nicht zu reden. Die wird sich vielleicht noch Jahre so schleppen, ohne daß Hoffnung kommt. Aber neben ihr lebt die junge Frau Smailus. Die ist sehnig von Gliedern und schafft auch, aber in ihrem Innern scheint sie noch kränker als jene.