Sie hat noch viel andere gute Sachen geschickt, die Ulele, aber die Ölsardinen haben der Erdme den stärksten Eindruck gemacht — in Erinnerung an den Glanz ihrer Mädchenzeit.

Und sie schlägt vor, der Ulele am nächsten Tage eine Depesche zu schicken. Berlin ist ja weit, aber denkbar wär’s immerhin, daß sie käme.

„Wieviel kostet so eine Depesche?“ fragt der Smailus. Und ob er womöglich auch noch die Reise bezahlen muß.

Die Erdme beruhigt ihn. Das Geld für die Depesche werde sie auslegen und sich später von der Ulele entrichten lassen. Was aber die Reise belangt, so sei die ohnehin viel, viel zu teuer für ihn.

Da willigt er ein und gibt auch gleich den Umschlag mit ihrer Adresse.

Ulele heißt sie nicht mehr. Sie heißt Adele.

Und wie sie zwei Tage später auf dem Bahnhof zu Heydekrug ankommt, da steigt sie aus einem Abteil mit roten Polstern und ist überhaupt eine Dame. In ganz Heydekrug gibt es nicht so eine Dame! Ganz in Schwarz mit langem Schleier und noch einem Schleier und noch einem Schleier. Nie im Leben hat die Erdme so viele schwarze Schleier gesehen.

Sie traut sich gar nicht an sie heran, obgleich sie den Wagen selber kutschiert, der die Nachbarstochter heimfahren soll. Die muß erst kommen und sie in die Arme schließen. Und das tut sie vor allen den Leuten und schämt sich nicht im geringsten.

Von nun ist der Erdme alles egal. Sie denkt nicht mehr an die tote Nachbarsfrau, nicht an den Sarg, nicht ans Begräbnis — wo sie doch selber alles herrichten soll, denn der Smailus ist wie ein hilfloses Kind, — sie sieht bloß die Ulele.

Der Inbegriff von allem, was sie hat werden wollen und nicht geworden ist, das Abbild, das Vorbild von sämtlichen schönen Mädchen der Modebilder, die bei ihr an den Wänden kleben, das Feinste, das Höchste auf und über der Erde, Milda, die Göttin der Liebe, Laime, die Göttin des Glücks: das ist die Ulele. Keine Königstochter, keine Kellnerin kann so schön sein wie die Ulele.