Das Wasser auf dem Hofe geht ihr bis an die Brust. Es steht nicht mehr still wie zuvor. Wirbel kreisen und führen Eisstücke mit sich, dicker als Torfziegel. Die kommen sicher vom Strome. Es muß also ein Dammbruch geschehen sein.

Aber die Luft ist ruhig. Es scheint frieren zu wollen über Nacht. Aus der Gegend der Chaussee kommt ein dumpfes Gebrause von Menschen und Tieren. Ab und zu ein Schrei wie aus Todesnot. Aber ringsum ist alles still. Wie längst gestorben ist alles.

Im Hause reicht das Wasser schon bis gegen die Tischplatte. Die Stühle schwimmen. Die im Schranke verwahrten Kleider sind oben noch trocken. Nur das unterste Stück hängt ins Wasser.

Sie rafft, was sie raffen kann. Ein Glück ist’s, daß dem Jons sein Schafpelz zum Trocknen noch auf dem Ofen liegt. Er wenigstens wird Wärme haben.

Zwei-, dreimal geht sie beladen hin und her, die Arme hochhaltend, und immer schwieriger werden die Wirbel.

Dann zieht sie sich aus, reibt sich mit Heu die Glieder warm und wühlt sich nackt in den Haufen. Und während die Marjellen kreischen und Jons im Fieber sich schüttelt, schläft sie ein und schläft die ganze Nacht durch wie ein Sack. —


Die Dämmerung ist rot, und auf dem Wasser glänzt eine dünne, blaßblaue Eisschicht, in die schneegraue Blöcke eingefroren sind.

Sie denkt an die Prophezeiung des alten Raubmörders. Wer jetzt noch gegen das Wasser an wollte, dem würde das haarscharfe Eis mit tausend Messern das Fleisch zerschneiden.

Nun hat sich alles erfüllt, womit der Alte ihr einstmals drohte. Nur daß sie nicht im Schornstein stecken. Freilich wären sie drüben im Hause geblieben, weiß Gott, wie es dann aussähe! Das, was dort Dach heißt, hätte sie niemals getragen. Die Pfosten stehen windschief, das Haus sieht aus wie eine Roggenhocke kurz vor dem Umfall. —