Das Herz schlägt ihr plötzlich oben im Halse. „Jetzt wird es geschehen,“ denkt sie. Aber wie sie ihm die Neunaugen und die Rauchwurst hinüberträgt und Brot und Butter dazu, da zittert sie nicht, denn jetzt denkt sie wieder: „Nein, so kann es nicht geschehen, er wird sich eine andere Art und Weise suchen.“
Und dann, wie er fragt: „Ißt du denn nichts?“, kommt ihr plötzlich der Gedanke: „Es wird gar nicht geschehen. Und nur mein trüber Sinn malt es mir aus.“
Aber sie braucht ihn nur anzusehen, wie er dasitzt, in sich zusammengekrochen und die Blicke irgendwohin ins Weite oder aufs Wasser gerichtet, bloß nicht auf sie, dann weiß sie: „Es wird doch geschehen.“
Mit einmal faßt sie sich ein Herz und fragt: „Was hast du da in der Sackleinwand?“
Er zieht finster den Mund in die Höhe und antwortet: „Meine Wasserstiefel.“ Aber sie weiß, daß das nicht wahr sein kann, denn deren Absätze sind eisenbeschlagen und hätten beim Hinschmeißen geklappert.
Dann packt sie die Speisen zusammen und geht nach dem Vorderende zurück.
Die Sonne sticht nun sehr, und sie muß ihr Kopftuch tief in die Augen ziehen.
Längst haben sie die arme Moorgegend verlassen, auch der schwarze Rand des Ibenhorstes ist untergesunken, und hinter dem Damm dehnt sich die fruchtbare Niederung, wo der Morgen tausend Mark kostet und die Bauern Rotwein auf dem Tische haben.
Die Klokener Fähre kommt, hinter der Kaukehmen liegt, der große, reiche Marktort, in dessen bestem Gasthaus nur studierte Leute aus und ein gehen dürfen. „Wenn der Willus Pfarrer sein wird, wird er dort auch aus und ein gehen dürfen. Aber der Willus wird ja nie Pfarrer sein. Wird etwa die Busze ihn auf die hohe Schule gehen lassen?“
Nun dauert es noch etwa eine Stunde, dann kommt die Stelle, an der die Gilge sich abzweigt. Sie sieht das blanke Gewässer nach rechts hin im Grünen verschwinden, fragt aber nichts.